Punk’s not dead?? – Überlegungen zu einer ehemaligen Subkultur

Als die Toten Hosen 1983 zum ersten Mal in Kassel spielten, hatten sich gerade einmal 13 Zuschauer im „Kensington Market“ eingefunden. Und die hatten es sich auch noch, wie Campino sich schaudernd erinnert, auf Stühlen bequem gemacht. Letztendlich wurde der Abend aber doch noch zu einer großartigen Party. Beim Konzert der Toten Hosen auf dem Hessentag in diesem Jahr war die Stimmung von Anfang an gut, aber es dürfte wohl kaum eine gemeinsame Party von Musikern und Publikum gegeben haben. Dazu waren auch einfach zu viele Menschen da: etwa 30.000.

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Mit den Ärzten gehörte darüber hinaus eine weitere Band, die ihre Wurzeln im Punk hat, zu den Hauptattraktionen des Hessentagsprogramms. Das ist in gewisser Weise symptomatisch für die allgemeine Entwicklung. Die Protagonisten der ersten Stunde, die damals angetreten waren, die Welt zu verändern, sind heute längst im Mainstream angekommen und verdienen am verachteten Kapitalismus kräftig mit. Und wer würde es ihnen verdenken?

Nach dem (endgültigen oder nur vorläufigen?) Sieg des Kapitalismus gibt es heute praktisch keine Nische mehr. Der Markt erobert auch die kleinsten Freiräume. Mussten die ersten Punks ihr Outfit noch getreu dem zentralen Do-it-yourself-Motto selbst kreieren, kann man heute die komplette Punker-Ausrüstung fertig im Internet bestellen.
Das gilt natürlich nicht nur für den Punk. Problematisch wird es aber, wenn die einstigen Ideale selbst zur Ware, die alten Parolen zur Marketing-Attitüde werden. So erschien mir etwa die Wiederauferstehung der deutschen Punklegende Slime von einem Konservatismus geprägt, der sich als gedankliche Haltung kaum noch mit dem vereinbaren lässt, was die Punkbewegung ursprünglich wollte.

Kann man den Punk also heute überhaupt noch leben? Vielleicht bleibt nur der Rückzug auf musikalische Glaubwürdigkeit, aber selbst das fällt schon schwer in einem marktgeprägten Umfeld, das ständig Neues verlangt und doch stets bekannte Klischees bedient sehen will. Es dürfte da wohl keine Patentlösung geben und ich persönlich bin gespannt, ob es dem Punk gelingt, aus dieser Spannung heraus neue Blüten zu treiben.

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