What does the Fox say? – Er meckert rum!

Die sozialen Netzwerke machen es möglich. Facebook, Twitter, Google Plus – in Minuten schaffen es Songs, wie der von Ylvis zum meistgeklickten Titel bei youtube und werden hunderttausendfach gegoogelt und geteilt. Und wieder geteilt. Wären die Klicks bezahlte Singlekäufe, müssten mehr goldene Schallplatten gepresst werden, als jemals zuvor. Zu schnell um irgendwelche Rechte noch nachzuvollziehen oder einfordern zu können, verbreiten sich die Teilungen und Klicks auf sämtliche Foren und Video-Plattformen. Der Sinn? – Steigende Popularität. Das könnte klappen bei einer Generation, die ihr soziales Selbstwertgefühl an „Gefällt mir“-Klicks festmacht.

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Moerdan

Bild: Screenshot YouTube/Mördan

Sicher liegt der Klickhase beim DSL-schnellen Mitteilungsdrang der Sozialnetzwerker im Cyberpfeffer. Wo man sich noch vor ein paar Jahren aufs Fahrrad setzen und den besten Kumpel mit Single in Plastiktüte besuchen musste oder der besten Freundin das tolle, neue Lied der tollen, neuen Band am Telefon vorspielte, reicht nun ein kurzer Klick auf „Video teilen“. Ob man dabei gerade mit der fernen Liebsten chattet, Frühstückspause macht, auf Chipskrümeln aufwacht und sich noch nicht einmal angezogen hat – “Klick” – schon kommen ca. 300 „Freunde“ zeitgleich in den zweifelhaften Seh- und Hörgenuss. Kein Aufwand, keine Kosten und trotzdem ein Gesprächsthema auf Talkshow-Niveau – was wollen dauerbeschallte Reizfetischisten mehr?

Schatz- ich kann nicht mehr wartään – die musikalische Form des Fremdschämens?
Eintagsfliegen gab es zwar schon immer, aber dieses Kulturphänomen erscheint wie eine zynische Variante von Drag (Ziehen) und Drop (Fallenlassen). Man kann sich kaum die Interpreten merken, so schnell tauchen solche Videokonserven auf und verschwinden wieder. Da fragt sich selbst die Redaktuerin – Wie hieß der noch gleich, der damals so unglaublich ohrangreifend für seine unwillige Traumfrau gesungen hat? Sein Name war Mördan, was er eigentlich oft genug schiefgerappt hat, um ihn sich zu merken. Sein Glück, dass es sogar eine Parodie auf RTL gab, so fremdbeschämend war das ganze. Dabei gehen talentierte Musiker wie z.B. Aequitas und Robin, deren Eigenproduktionen zwar ebenfalls nicht geschmacksneutral, musikalisch aber solide und innovativ sind, ganz schnell unter. Und wenn sie es tausendmal verdienen, dass man sich langfristig mit ihrer musikalischen Karriere befasst.

Füchse meckern und knurren
So wie ich, weil ich solche Machwerke nicht wirklich ernst nehmen kann. Ylvis „Fuchs“-Liedchen ist eben nur eine schnell produzierte Konserve. Das Video irgendwo runtergedreht mit ein paar Leuten in Kostümen, das ganze durch die Videoeffekte-Toolbox gedreht, dazu das gangbare Melodichen, das irgendwo im Keyboard gespeichert war und dessen Tempo man mit einer + oder – Taste ins Tanzbare reguliert. Und deshalb muss ich mir das schlechte Liedgut jetzt schon bei der ersten Tasse Kaffee anhören.

Der Erfolg solcher Titel ist weder für Agentur noch Interpreten planbar. Dass sie sich auch verkaufen, kann am Sexappeal des Sängers liegen. Oder an der relativen Mondfeuchte. Immer aber sind Songs wie dieser ein Schuss ins Blaue der Zielscheibe des gefälligen Musikgeschmacks. So haben auch mal „Modern Talking“ Karriere gemacht – vielleicht wegen dem Nora-Kettchen, vielleicht wegen Bohlens Fönwelle oder weil sich ihre Lieder so schön zum Tanzstunden-Fox üben eigneten. Auf CD-Verkäufe zu hoffen, um wirklich im Pop-Olymp mitspielen zu dürfen, gelingt aber nur in Ausnahmefällen. Dazu muss man, wie beim Gangam-Hype schon einen komplett neuen Tanzstil erfinden, der dann Nachahmer findet und Fans verbindet.

Ylvis – The Fox [Official music video HD]

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Über Anja Thieme

Anja Thieme lebt in Ost-Westfalen/Lippe und arbeitet seit über 10 Jahren als freie Autorin und Journalistin. Mit der Arbeit für amusio.com verbindet sie ihre große Leidenschaft für Musik mit ihrem Beruf.

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