Von Heinrich Schütz bis Brezel Göring – die faszinierende Geschichte der Musik in Kassel

Heute beginnt in Kassel die Festwoche zum 1100jährigen Bestehen der Stadt. In dieser langen Geschichte stand die Stadt Kassel auch immer wieder im Fokus der Musikgeschichte. Die erste und eine der bedeutendsten dieser Hochphasen begann 1592 mit dem Regierungeantritt von Landgraf Moritz, der nicht umsonst „der Gelehrte“ genannt wurde. Dieser politisch zwar ungeschickte, auf kulturellem Gebiet dafür aber umso weitsichtigere Fürst entdeckte 1598 auf einer Reise den jungen Heinrich Schütz und holte ihn nach Kassel, um ihm hier eine umfassende Ausbildung zu ermöglichen.

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Louis Spohr (1784-1859), Stahlstich von Johann Martin Esslinger (nach Grünbaum), 1834

Louis Spohr (1784-1859), Stahlstich von Johann Martin Esslinger (nach Grünbaum), 1834

Damit legte er den Grundstein für die großartige musikalische Laufbahn des Heinrich Schütz, der wir heute so viele wundervolle Werke verdanken. In dieser Zeit gehörte Kassel tatsächlich zu den musikalischen Zentren Europas und beinahe wäre es dem Landgrafen, der übrigens auch selbst komponierte, gelungen, auch John Dowland nach Kassel zu holen.

Im Königreich Westfalen, das Napoleon für seinen jüngsten Bruder Jérôme Bonaparte gebildet hatte, war Kassel von 1807 bis 1813 die Hauptstadt. Das glanzvolle Musikleben wäre beinahe durch die Verpflichtung Ludwig van Beethovens als Hofkapellmeister gekrönt worden. Im letzten Moment jedoch setzten seine Wiener Gönner ihm ein lebenslanges Gehalt aus und konnten Beethoven so in Wien halten.

Mit dem Amtsantritt Louis Spohrs als Kapellmeister des Hoftheaters begann 1822 eine weitere Glanzperiode der Kasseler Musikgeschichte. Spohr gehörte neben Paganini zu den berühmtesten Geigern seiner Zeit. Als Komponist war er für die Entwicklung von Oper, Sinfonie und Violinkonzert im 19. Jahrhundert von entscheidender Bedeutung. Als Dirigent war er maßgeblich an der Einführung des Taktstocks beteiligt und seine über 200 Schülerinnen und Schüler werden in der Musikwissenschaft heute als „Kasseler Schule“ bezeichnet.

Gustav Mahler verbrachte von 1883 bis 1885 gewissermaßen seine Lehrjahre in Kassel. Diese Zeit war für ihn zwar äußerst anstrengend, bildete aber, wie er später selbst erkannte, den Grundstein für seine weitere Karriere. Auch für Ernst Krenek war Kassel eine wichtige Station. Hier komponierte er seine später so erfolgreiche Jazz-Oper „Jonny spielt auf“, die 1927 in Leipzig uraufgeführt wurde.

In den 1960er Jahren war Kassel nach den großen Städten Berlin und Hamburg eine Hochburg der Beat-Musik, die mit der „Tenne“ einen Beatschuppen von überregionalem Rang zu bieten hatte. Und auch als in den 80er Jahren der Punk nach Deutschland kam, war Kassel mit an der Spitze der Bewegung. Das Kasseler Label „Iron Curtain Records“ gehörte zu den ersten in Deutschland, die Punkplatten veröffentlichten. Die aus Eschwege stammende Band „The Bates“ verlegte bald ihren Lebensmittelpunkt nach Kassel, wo sie auch viele ihrer erfolgreichen Alben aufnahm. Aus Wolfhagen kam Brezel Göring nach Kassel, der später in Berlin gemeinsam mit Françoise Cactus die Band „Stereo Total“ gründete. Heute machen unter anderem die Rapper von „Ginex“ überregional von sich reden.

Es gäbe natürlich noch viele, viele weitere Beispiele zu nennen und so muss dieser kurze Überblick notgedrungen lückenhaft bleiben. Aber wenn er dazu anregt, sich im Jubiläumsjahr auch noch einmal mit der faszinierenden Kasseler Musikgeschichte zu beschäftigen, hat er sein Ziel erreicht.

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