Understanding Techno III

Wiederholung und Räumlichkeit

Seit den 80er Jahren wird in den Kulturwissenschaften vermehrt der Begriff des spatial turn verwendet. Nachdem man sich zunächst vornehmlich mit einem linguistischen Zugang zur Welt beschäftigte, rückte nun viel mehr der Raum und die topologischen Beziehungen in den Vordergrund. Es soll nun im folgenden darum gehen, wie man Wiederholung als eine topologische Methode verstehen kann und wie sich Techno in dieser Hinsicht bildlich verorten lässt.

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Quelle: Wiki Commons

Quelle: Wiki Commons

Man kann in großen Werken der Klassik, genauso wie im Popsong eine lineare Erzählebene auffinden, die eine literarische Interpretation ermöglicht. Man könnte diese Musik daher auch als narrative Musik bezeichnen, im Gegensatz zu dem, was ich konstruktive Musik nennen möchte. Konstruktive Musik erzeugt durch Klang einen Raum, der als eine Leerstelle für ein nicht vorhandenes Narrativ dient, gewissermaßen eine Rauminstallation ohne Requisite oder Handlung. Wie in Teil II der Serie angedeutet ist das der Raum, in der sich das Phantasma entfalten kann. Wie passt nun die Wiederholung ins Bild?

Man muss sich als eine natürlich Erscheinung der Wiederholung das Echo vorstellen. Art, Dauer und Klang des Echos charakterisieren einen Raum und lassen so Rückschlüsse auf seine Beschaffenheit zu. Die Wiederholung des Klangs ist also ein Code, dessen Klartext aus einer Ansammlung räumlicher Eigenschaften besteht. Nun ist dieser Code nicht eindeutig dechiffrierbar. Unterschiedliche Räume können auf gleiche Codes abgebildet werden und so ist in der Rückführung Spielraum für Spekulationen offen.

Um ein anderes Bild zu bemühen, kann man sich vorstellen, dass die einzelnen Klänge einer sich wiederholenden Sequenz bestimmte Eckpunkte des Raumes markieren, ihn sozusagen als geometrischen Körper konstruieren. Es existieren also nicht Punkte auf einer Geraden (so wie man es von Notenpapier kennt), sondern vielmehr Punkte auf einer gekrümten Linie, die durch einen mehrdimensionalen Raum verläuft, ebenso wie der Schall an bestimmten Stellen des Raumes verfremdet, abgeleitet oder reflektiert wird.

So ist auch der für Techno charakteristische Drone zu verstehen, der die räumliche Größe herstellt, die daraufhin vom 4/4 bemessen und unterteilt wird. Die Wiederholung ist also eine Strategie zur Erforschung des imaginären Raums. Wie genau dieser Raum beschaffen ist und wie man den Code zu entziffern hat, ist nicht klar definiert, man kann mit ihm nur den Raum durchkreuzen und seine Silhoutte erahnen.

Die komplette Reihe “Understanding Techno”

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Über Fabian Vallon

Seit 4 Jahren in Frankfurt wohnhaft, über den Punk zu Techno gekommen, immer ziellos in der Stadt unterwegs, produziert selbst unter dem alias quantities, Teil des Untergrunds, mag Slavoj Zizek und sammelt alte Spex-Ausgaben.

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