Norma reloaded: weniger ist mehr

Schon nach den ersten Takten dieser Aufnahme, in der sogar das martialische Vorspiel musikalisch differenziert ausgestaltet wird, merkt der Hörer, dass diese Einspielung von Vincenzo Bellinis Norma, erst im Mai diesen Jahres bei Decca erschienen, anders ist. Der Belcanto-Klassiker wurde durch die Herausgeber der kritischen Neuedition der Partitur, Musikwissenschaftler Maurizio Biondi sowie Geiger und Dirigent Riccardo Minasi, kräftig entstaubt und für eine Aufnahme auf historischen Instrumenten vorbereitet. Wieder entdeckte und neu eingefügte Arien oder Ensembles sucht man auf dieser Einspielung vergeblich, doch kann der Zuhörer, ganz abgesehen davon, ob die historisch aufgeklärte Aufführungspraxis den authentischen Klang eines Werkes wirklich wiederzugeben vermag oder nicht, die Oper Vincenzo Bellinis neu entdecken.

Administriere bereits ab €0,- Deine Sprachschule!

cover (c) Universal Music

cover (c) Universal Music

Cecilia Bartoli, die schon 2007 auf den Spuren der großen Maria Malibran, einer Sängerin der Bellini-Zeit, wandelte, führt die Partie der Norma ins Mezzofach zurück. Der italienische Superstar, der als Oberpriesterin der Druiden dieses Jahr auch in Salzburg zu hören war, übernimmt bei dieser Aufnahme, nach eigener Aussage, einen Großteil jener Verzierungen, die Giuditta Pasta, die Norma der Uraufführung, ihren Schülerinnen überlassen hat, und überzeugt sowohl in den schwindelerregenden Koloraturen der angeblich keuschen Priesterin, als auch in den tieferen Noten der Rezitative einer verschmähten, rachesüchtigen Geliebten.

Auch die Rolle der Kontrahentin Normas, Adalgisa, ist, mit der glasklaren Stimme der Sopranistin Sumi Jo, hervorragend besetzt. Überhaupt verzichten alle Interpreten dieser Aufnahme auf übertriebenes Pathos. Das Orchester La Scintilla, das aus Instrumentalisten des Züricher Opernhauses hervorgegangen ist, spielt sich unter der Leitung von Giovanni Antonini, zu Gunsten eines angenehm durchsichtigen Klangs, nie unnötig in den Vordergrund, so dass wir einmal auch einen zuweilen sanften, nachdenklichen Pollione, John Osborn, erleben können.

Diese Norma ist anders, weil, durch eine neue Herangehensweise an die Belcanto-Oper, die Gewissenskonflikte einer Mutter zwischen Privatleben und Job erstmals nicht nur, mit übertriebener Virtuosität, besungen, sondern auch glaubhaft dargestellt werden. Auch bei dieser Aufnahme gilt zu Recht das Motto: weniger ist mehr.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>