Review: Sons of Anarchy – S06E01 – Straw

Die Söhne der Anarchie sucht man vielleicht in der Politik vergebens, aber im US-Fernsehen gibt es natürlich auch für die eine Sparte: Die Motorradgang SAMCRO (Sons of Anarchy Motorcycle Club, Redwood Original Charter) verbrennt Sprit und verspritzt Blut für Runde sechs: Badass Outlaws mit schweren Muskeln in einem Script recht anstrengender Testosterondialoge.

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Logo der Sons of Anarchy; Quelle: © 2008 FX Networks, LLC. All rights reserved

“Viewer discretion advised” empfiehlt eine dramatische Ansage nach den Werbeblocks, weil einige Inhalte der nun folgenden Show zu explizit für den einen oder anderen Zuschauer sein könnten. Nach kaum zehn Minuten Spielzeit wird die erste Nase gebrochen. Eine Vergewaltigung im Gefängnis haben wir zu diesem Zeitpunkt auch schon hinter uns. Deren Kontext ist allerdings vorm Bildschirm aus betrachtet eher witzig: Bei dem Opfer handelt es sich nämlich um Kurt Sutter, den creator der beliebten TV-Hardcore-Biker. Er spielt das inhaftierte ehemalige Clubmitglied Otto Delaney, der im Laufe der letzten Seasons bereits übelst zugerichtet wurde. Es zeugt von einiger Selbstironie des Screenwriters, sich so unvorteilhaft ins Drehbuch zu schreiben. Im Übrigen füllt er die Rolle auch noch ziemlich überzeugend aus.

Das macht allerdings das Drehbuch nicht besser. Jax Teller, das harte Muttersöhnchen mit Lederjacke und anderen Qualitäten, tritt in die Fußstapfen seines Vaters und wiederholt offenbar dessen sämtliche Fehler. Trotz John Tellers Warnungskatalog als kontemplative Memoiren, damals in der ersten Staffel. Jetzt schnappt sich auch Bubi Jax den Stift und schreibt in pathetischer Selbstreflexion für seinen Erstgeborenen, Thomas Teller, eine ganz ähnliche Autobiographie. Know yourself and listen to your heart – so in etwa lautet die Headline des schnöden Machwerks.

Eine Badewanne voll Pisse

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Jax Teller cool mit Bike; Quelle: © 2008 FX Networks, LLC. All rights reserved

Nun, was am Ende von Straw hängenbleibt, ist die Badewanne voll Pisse, in der Tig Trager einen schmierigen Rapeporn-Filmemacher ertränkt. Gerechtigkeit im epischen Sinne, wohingegen die Jungs von SAMCRO – allesamt schmerzresistente Supermänner – auch in dieser Episode wieder mit bedeutungslosen Blessuren davonkommen. Die blödsinnigen Offtexte von Jax Teller über dessen Lebenserfahrungen sind bloß Glückskeksweisheiten für den Zuschauer, wenn sich keine der Figuren in irgendeiner Form damit auseinandersetzt. Der Nervenkitzel der kalkulierten Brutalo-Exzesse der Show liegt infolgedessen schwerer im Magen: Sinnlose Gewaltspiralen im Gefängnis und davor. Das wiederum ist prinzipiell arg politisch, oder nicht?

Fazit: Die Fäuste fliegen wieder, und der Ton hat sich nicht geändert. Könnte langweilig werden, doch geben wir der Staffel noch ein wenig Zeit. U.S. Marshal Lee Toric hat die Nadel dafür, und der Junge mit der Maschinenpistole die Kugeln dazu. Tig hat ne Badewanne voll mit Pisse.

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Über Bowls Götzke

Bowls Götzke | Musiker, Schreiber, No-Budged-Filmemacher, Manager, Künstler, Motto: .sTyle ist nicht alles, aber ein Tyle davon.

2 Antworten auf Review: Sons of Anarchy – S06E01 – Straw

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