Der Erfinder des TripHop

Auf den TripHop-Geschmack bin ich – wie wohl die meisten – via Portishead respektive Tricky gekommen. TripHop ist teilweise leider zu einer Art Konsensmusik geworden für Leute, die für gewöhnlichen Pop zu sophisticated, aber für die meisten elektronischen Werke zu konservativ sind. Jedenfalls war TripHop verhältnismäßig eine Neuerscheinung. Umso verwunderlich ist ein kleines Stück, das ich vor kurzem aus den Tiefen verschiedener Katzenvideos herausgegraben habe. Serge Gainsbourgh, der französische Ausnahmekünstler darf wohl als Erfinder des Stils gelten und das nicht später als im Jahre 1970.

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La Horse, Quelle: Discogs

La Horse, Quelle: Discogs

Als Musiker und Filmemacher sorgte Gainsbourgh damals für ordentlich Furore, vorallem sein Film Charlotte For Ever, in dem er zusammen mit seiner Tochter Charlotte ausgerechnet einen inzestuös-erotischen Vater-Tochter-Plot inszenierte, stieß den Zeitgenossen übel auf. Man kann also verstehen, warum sich Charlotte Gainsbourgh später ausgerechnet in den verschrobenen Filmkosmos eines Lars von Trier begab. Gute Prägung eben.

Die beste Anekdote über Serge Gainsbourgh ist wohl die folgende: Eines seiner bekanntesten Lieder, das Requiem pour un con (Requiem für einen Idioten) wurde zum denkbar bestmöglichen Zeitpunkt veröffentlicht. Die Werbeverträge waren schon unterschrieben, man schaltete großflächig Anzeigen in französischen Tageszeitungen. Und exakt am 2. März 1991, als die Zeitungen den überraschenden Tod des großen Künstlers meldeten, erschien auch die Anzeigenkampagne für das neue Werk in den Blättern. Nicht einmal Oscar Wilde hätte man so viel Sinn für geschichtliche Ironie zugetraut.

 

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Über Fabian Vallon

Seit 4 Jahren in Frankfurt wohnhaft, über den Punk zu Techno gekommen, immer ziellos in der Stadt unterwegs, produziert selbst unter dem alias quantities, Teil des Untergrunds, mag Slavoj Zizek und sammelt alte Spex-Ausgaben.

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