Seuchenschutz: TechHouse

Ich glaube Jan Gerber war es, der bereits vor 6 Jahren vom primitiven Offbeat sprach. Gemeint ist jene inzwischen populäre Unart in der elektronischen Musik keine gerade Tanzmusik zu komponieren, sondern nervtötendes Humpahumpa zu setzen, wo 4/4 hingehört. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass diejenigen, die Schlagerparaden (zurecht) für den Todfeind und einen Hort des verspießten Kleinbürgertums erklärten zu solcher billigen Animationsmusik die Plauze schwingen.

Administriere bereits ab €0,- Deine Tanzschule!

3320058100_38c30ef875

Die Zukunft des Genres, Quelle: Cristopher Schirner

Gemäß dem berühmten Bonmot, dass sich Geschichte wiederhole, einmal als Tragödie und einmal als Farce, ist Schlager die Tragödie und TechHouse eindeutig die Farce. TechHouse, also die Vereinigung des Schlechtesten aus beiden Welten, ist zu einer Epidemie herangewachsen, die jeden Halbwüchsigen hinter dem Ofen hervorlockt, aber jeden Geschmack der Szene einem totalen Vernichtungsfeldzug unterzieht.

Man muss sich nur etwas wie What matters zu Gemüte führen um zu verstehen, wessen Geistes’ Kind da am Werke ist. Statt künstlerischer Finesse wird ein globales Oktoberfest installiert, das einen besoffen und debil ins stilistische Nichts schunkeln lässt. Vielleicht ist diese Degeneration dem inzestuösen Treiben der Szene geschuldet, in der jeder jeden kennt und man sich nun etwas verspätet kollektiv dem Fin de Siecle überantwortet. Sicher ist jedoch, dass sich jene Haudrauf-Dekadenz die goldene Palme verdient in Sachen Anschlussfähigkeit. Eines Tages kann dann die Tätergeneration zusammen mit den Jungspunden herumgröhlen und alle haben sich wieder lieb. Von mir aus kann also die GEMA mit ihrer Politik den ganzen Laden zumachen. Scheiß auf die Kolleteralschäden.

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Fabian Vallon

Seit 4 Jahren in Frankfurt wohnhaft, über den Punk zu Techno gekommen, immer ziellos in der Stadt unterwegs, produziert selbst unter dem alias quantities, Teil des Untergrunds, mag Slavoj Zizek und sammelt alte Spex-Ausgaben.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>