Grimms Märchen und die Oper

Vor gut 200 Jahren, am 20. Dezember 1812, veröffentlichten die Brüder Grimm ihre „Kinder- und Hausmärchen“. Nicht nur in der Grimm-Stadt Kassel wurde dieses Jubiläum zum Anlass für eine verstärkte Auseinandersetzung mit Leben und Werk der berühmten „Märchenbrüder“ genommen. In den vergangenen 200 Jahren haben die Märchen aber auch immer wieder Komponistinnen und Komponisten zu neuen Werken angeregt. Insbesondere auf der Opernbühne fanden viele musikalisierte Märchen ein neues Zuhause. Das berühmteste Beispiel dafür ist sicherlich Engelbert Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“, die in den kommenden Monaten wieder für zahlreiche Kinder zu ihrer ersten Begegnung mit dem Musiktheater werden wird.

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Elisabeth Jerichau-Baumann, Doppelporträt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm (Quelle: Wikimedia Commons)

Elisabeth Jerichau-Baumann, Doppelporträt der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm (Quelle: Wikimedia Commons)

Aber auch schon vor den Brüdern Grimm gab es Märchen auf der Opernbühne. Die Entwicklung begann in Frankreich im 18. Jahrhundert. Hier war mit den Contes de ma mère l’Oye von Charles Perrault bereits 1697 eine wichtige Märchensammlung erschienen. Die französische Opéra comique ebnete dann den Märchen erstmals auch den Weg ins Opernhaus. Ein Beispiel dafür ist Nicolò de Isouards Oper „Cendrillon“ (1810). Diese erfolgreiche Oper wurde ab 1817 durch Rossinis neue Adaption des Aschenputtel-Stoffs („La Cenerentola“) von den europäischen Bühnen verdrängt.

Das Erscheinen der „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm markiert dann gemeinsam mit den ersten Werken der deutschen romantischen eine zweite Etappe in der Geschichte der Märchenoper, in der Märchen erstmals auch als ernste Sujets behandelt werden konnten. Später veranlasste die übermächtige Figur Richard Wagners viele Komponisten der folgenden Generation dazu, auf Stoffe aus dem Bereich der Märchen auszuweichen, um dem Vergleich mit dem Bayreuther Meister aus dem Weg zu gehen. Am Ende des 20. Jahrhunderts schließlich lässt sich erneut eine Tendenz zur ernsthaften Gestaltung Grimmscher Stoffe feststellen.

Hier nun noch eine kleine Auswahl von Märchenopern, die im September und Oktober auf deutschen Opernbühnen zu sehen sind: Humperdincks Oper „Hänsel und Gretel“ ist in der nächsten Zeit in Aachen und Kiel zu hören, in der Vorweihnachtszeit werden dann noch einige weitere Bühnen hinzukommen. Die Berliner Staatsoper bietet im Oktober im Schiller-Theater Ermanno Wolf-Ferraris selten zu hörende Oper „Aschenputtel“. Die Vertonung dieses Stoffes von Rossini („La Cenerentola“) ist in der Semperoper Dresden sowie im Stuttgarter Opernhaus zu hören. In Leipzig wird mit Engelbert Humperdincks „Dornröschen“ am 26.10. eine kleine Perle des Genres wieder aufgenommen. Die Oper „Des Kaisers neue Kleider“ von Miloš Vacek geht zwar auf ein Märchen von Hans Christian Andersen zurück, sei hier aber ebenfalls erwähnt. Sie hat am 13.10. in der Komischen Oper Berlin Premiere.

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