In der Bombastfalle

The Weeknd – Kiss Land

Was war das für eine Geheimniskrämerei damals, als „House Of Balloons“ kostenlos im Netz erschien, der erste Teil der EP-Trilogie von The Weeknd? Wer war der Typ, der da mal eben R’n’B hörbar machte? Zumindest war das nicht weniger als eine Neudefinition, die mit Brüdern im Geiste wie Frank Ocean oder auch inc. vonstatten ging. Das hatte nichts mehr mit den weichgespülten, sowohl Sexyness als auch Seelentiefe vermissenden Pop-Standards zu tun, die man vorher zähneknirchend als R’n’B akzeptieren musste.

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The Weeknd - Kiss Land, Cover: Republic

The Weeknd – Kiss Land, Cover: Republic

Nachdem hinter dem Pseudonym The Weeknd dann doch der Kanadier Abel Tesfaye hervorkroch, gingen die ersten drei EPs noch mal gebündelt und konsumentengerecht aufbereitet über die Ladentheke. Und das war okay so, führte einem die Compilation doch noch mal vor Augen, wie souverän Tesfaye zuckrige Melodien und knallhartes Drumming vereinte. Vom den teils bitterbösen, zynischen Lyrics, die trotz dieser glasklaren Stimme, nie überhört werden konnten, mal ganz zu schweigen.

Nun also „Kiss Land“. Die Trademarks sind noch da. Nur wirkt diesmal alles eine Spur zu perfekt. Die Streichereskapaden sind zu barock, die Hooks zu klebrig. Umwerfend wird es nur dann, wenn er die Beats einfach laufen lässt. Dann ist der Zauber wieder da. Aber diese Stellen sind diesmal leider etwas zu selten. Der Track mit Amerikas neuem Rap-Superstar Drake macht noch am meisten Spaß, trägt zum Ende dann aber auch wieder zwei Fässer Bombast zuviel auf. Und ja, „Belong To The World“ klingt wirklich frappierend nach „Portishead’s „Machine Gun“. Das „Precious Little Diamonds“-Sample bei „Wanderlust“ kann irgendwie auch nicht wirklich überzeugen, selbst wenn The Weeknd da schon wie Michael Jackson klingt. Mag sein, dass das hier Fans noch Spaß macht. Mir ist es zu süß.

The Weeknd „Kiss Land“ (Republic)

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Über Philipp Demankowski

Philipp ist freiberuflicher Musikjournalist aus Dresden mit Schwerpunkt elektronische Musik. Daneben macht er Radio, legt Vinyl aus Überzeugung auf und ist Mitbetreiber eines Plattenlabels.

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