Ich rede nicht von Dub

Apollo four forty – Electro Glide in Blue

Songs und Subs Eigentlich habe ich mich nie wirklich festgelegt, was meinen Musikgeschmack angeht. Doch etwas haben – kritischer Blick in CD-Regal und Plattenschrank – alle meine lieben Lieder gemeinsam. Sie sind immer irgendwie innovativ, experimentell und rhythmisch. Deshalb bin ich selten ein Fan einer Band, sondern oft von einzelnen Songs. Wenn einer der Titel, die ich mal in einer Late-Night-Radioshow, im Stream oder irgendeiner Nischenkneipe entdeckt habe, mich plötzlich aus den Charts anspringt, freue ich mich immer wie ein kleines Kind. Auch wenn es ein cooler Dancefloor-Mix ist, der mich in den kalten Kölner Club-Nächten auf der Tanzfläche zum Schwitzen gebracht hat.

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Apollo 440

Quelle: Apollo 440/epic-Sony Music Foto: Peter Andersson

Ja – ich bekenne – ich hatte eine Rave-Phase (ohne Extase).
Mein vorerst letzter Ausflug auf den allgemeingültigen Dancefloor fand 1997 statt. Und da traf mich “Ain’t talking ’bout dub” ins Genick und lies mich im Extendend Mix minutenlang begeistert mitzappeln. Dass mir das van Halen Riff ausgerechnet unter den Dubbern wiederbegegnet … wer hätte es gedacht? Prompt den DJ interviewt und beim nächsten Platten-Discounter eingeflogen. Und siehe da: Tolles Album abgegriffen zum Immerwiederhören.

Lets go back to the Rock
and see the 440
Die Britenbrüder Howard und Trevor Gray gründeten Appollo 440 schon 1991. Toningenieur und Pianist – das musste klappen, oder? Tatsächlich hört man die professionelle Solidität vor allem an den perfekten musikalischen Arrangements, die vor exotischer Instrumentierung strotzen, ohne auch nur eine Sekunde zu nerven. Die erste Erfolgssingle Krupa, die auch auf Electro Glide in Blue zu finden ist, kennt Deutschland aus dem Ran-Abspann.

Als ob es auf in der Clubhouse-Szene nur aufs perfekte Dubbing ankommt! Das Gegenteil ist der Fall – es kommt darauf an, das Dub Nebensache ist. Richtig berühmt wurden Apollo 440 vielleicht nur deshalb mit Ain’t Talking ’bout dub. Das ohnehin legendäre Riff in Dancefloorstakkoto und der trotzig hingekrächzte Refrain sind so genial gecovert, dass es nur den Rahmen für die Aussage bildet – von tontechnisch ein oder ausgeblendeter Doublette (der ursprünglichen Bedeutung des Kürzels Dub) kann und konnte auch weiterhin keine Rede sein.Vor allem der Titelsong Electro Glide in Blue selbst ist zu Trance um wegzuhören, zu anspruchsvoll um leichte  Unterhaltung zu sein und ich liebe das irre Arrangement. Sharper than a needle …
Genial! Und seiner Zeit voraus.

Jetzt nach 15 satten Jahren, die ich mich hauptsächlich in der Metal- und Gothecke rumgetrieben habe, hat mein Lieblingsalbum der Briten Electro Glide in Blue musikhistorisch nur noch mehr für mich zu sagen und ich bin verblüfft über den Einfluss den so ein Dancefloortitel auf die Entwicklung sogar mehrerer Musikgenres haben kann. Denn damals  – 1997! – hören wir schon die Mischung aus Rockrhythmen und Rave, die mich noch immer mitwippen lässt, wenn heutzutage die düstere Liga dazu noch ihre Tragiktexte rausquietscht oder rotzt.

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Über Anja Thieme

Anja Thieme lebt in Ost-Westfalen/Lippe und arbeitet seit über 10 Jahren als freie Autorin und Journalistin. Mit der Arbeit für amusio.com verbindet sie ihre große Leidenschaft für Musik mit ihrem Beruf.

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