In vollem Gange

Tag 2: Reeperbahn Festival

Am Mittwoch gab es bereits einen kleinen Vorgeschmack auf die bunte Auswahl cooler Bands auf dem diesjährigen Reeperbahn Festival – gestern ging es dann richtig los. Kaum ein Club in St. Pauli, der in den nächsten Tagen nicht seine Pforten für die Festivalgänger geöffnet hat und kein Act, der keine Überraschung bereithält.

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Türsteherlesung

Im Pearls Table Dance Club haben Henning, Viktor und Mark an diesem Abend eine literarische Satire-Lesung für all jene vorbereitet, die erst später die Tanzflächen stürmen wollen.

Buntes Treiben auf dem Kiez: Das Reeperbahn festival ist in vollem Gange. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Buntes Treiben auf dem Kiez: Das Reeperbahn Festival ist in vollem Gange.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

„Wir werden manchmal politisch unkorrekt sein. Wir dürfen das“, wird vorher festgestellt. Und die Diskriminierung von Randgruppen wie Pinnebergern oder Buxtehudern gehöre eben zur Show. Henning – das ist der Intellektuelle der dreien, denn „er benutzt Wörter mit mehr als drei Silben“, beginnt mit einer Geschichte, die das Türsteherleben schreibt und berichtet von seinen nächtlichen Begegnungen mit randalierenden und gewaltbereiten Kiezbesuchern auf dem Hamburger Berg.

Mark hat eine sehr unterhaltsame Analyse zum Thema „effektive Raumnutzung“ vorbereitet. Zusätzlich animieren die drei Doormen ihr Publikum mit einer hinreißenden Persiflage der typischen Kiezgänger zum Tränenlachen: Vom Helden, der die Treppe bei der U-Bahn-Station erklimmt und trotz des hinter ihm nun entstehenden Staus oben stehen bleibt und zunächst ein zufriedenes „Arh, Sankt Pauli!“ von sich gibt bis hin zu jenen Spezialisten, die nicht liquide genug für die Garderobe sind und dann verzweifelt nach ihrer zuvor achtlos in die Ecke geworfenen Jacke suchen. Die Türsteherlesung ist ganz klar jedes Jahr ein Muss!

Spector

Spector heizten den Besuchern des Knusts ordentlich ein. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Spector heizten den Besuchern des Knusts ordentlich ein.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Sicherlich eine der am adrettesten gekleideten Bands nimmt gegen 20 Uhr die Bühne des Knust in Beschlag: Spector aus London lassen von der ersten Sekunde an keinen Zweifel daran, dass Stillsitzen auf ihrem Konzert nicht geduldet wird. Mit mehrstimmigen Gesang bei dramatischem Gitarrenspiel liefern Spector eine rundum perfekte Indie-Rock-Show. Insbesondere der junge Sänger vermag den Songs ordentlich Druck und Drive zu verleihen und sorgt mit kleinen Anekdoten oder der Aufforderung an einen weiblichen Fan, ihn für seine langen Haare ihr Zopfband zu leihen, für ausgelassene Stimmung.

Auf ihrem letzten Hamburg-Trip hatte die Band die Idee zum Song „Reeperbahn“, der nun live vorgestellt wird und seine (Tanz-) Wirkung nicht verfehlt. Mit der schmissigen Nummer „Never Fade Away“ verabschieden sich die Herren und verleihen ihrer Hoffnung, auch im nächsten Jahr dabei sein zu dürfen, noch mal Ausdruck. Wir hoffen es auch!

Kate Nash

Kate Nash lieferte eine abwechslungsreiche Show. Bildautor: Stefan Malzkorn.

Kate Nash lieferte eine abwechslungsreiche Show.
Bildautor: Stefan Malzkorn.

Mit Kate Nash tritt heute einer der favorisierten Headliner im Docks auf. Im gemusterten Hosen-Anzug springt die Britin auf die Bühne und eröffnet die Show mit „Sister“ vom neuen Album „Girl Talk“. Doch während ihrer rund eineinhalbstündigen Performance gibt es auch Songs vom zweiten Album zu hören sowie Klassiker ihres Debüts, wobei „Foundations“ nach wie vor am besten funktioniert und über tausend Besucher zum Mitsingen animiert.

Es scheint, als habe sich das rothaarige Girl für jedes seiner Stücke einen neuen Bühnen-Trick ausgedacht, bei „Oh My God“ hüpft sie minutenlang mit dem Mikro in der Hand im Kreis, so dass man sich nur fragen kann: Wird ihr nicht schlecht dabei? Am Ende kommt noch eine für Kate Nash typische Ansage: Mehr Mädels sollten sich trauen, eine Girl-Band zu gründen! Und wie, um den jungen Schönheiten in der vorderen Reihe zu zeigen, was es für ein Gefühl ist, auf der Bühne zu stehen, holt sie rund 15 Mädchen aus dem Publikum auf die Bretter und tanzt zum Abschluss ausgelassen mit ihnen und dem Rest der Band.

Born Ruffians

Born Ruffians spielen zielstrebigen Indie-Rock. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Born Ruffians spielen zielstrebigen Indie-Rock.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Da Heisskalt wegen Krankheit ins lauwarme Wasser gefallen sind, treten Born Ruffians an diesem Abend rund zwei Stunden später als geplant auf. Erste Müdigkeitserscheinungen der Besucher ersticken die Jungs aus Kanada aber schnell im Keim: Herrlich lauter und dabei klar instrumentierter Indie-Synth-Rock triftt auf geniale Songtexte. Gar zauberhaft wird es, wenn einzelne Stücke mit Keyboard-Tönen kombiniert werden. Dazu perfektes Zusammenspiel der Bandmitglieder untereinander – ein krönender Abschluss dieses zweiten Festivaltages im Uebel und Gefährlich!

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Über Anne-Kathrin Fischer

Musikredakteurin und Konzertgängerin aus dem schönsten Hamburg. Kein Event, kein Festival, kein Regenbogen ohne mich!

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