Perfekte Höhepunkte

Tag 3: Reeperbahn Festival

Die Reeperbahn quillt über von Festivalgängern, die stirnrunzelnd in ihrem Planer nach der nächsten Location suchen und hübschen Mädchen, die einem Flyer von Konzertveranstaltern in die Hand drücken. Ehe man sich versehen hat, ist schon der dritte Tag des schönsten Indoor-Festivals angebrochen und hält wie gewohnt tolle Künstler und spannende Veranstaltungen für Hamburg bereit.

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Breton machen unwirkliche Musik, die es in sich hat. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Breton machen unwirkliche Musik, die es in sich hat.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Breton

Das Konzert von Breton reizt definitiv das Vokabular eines jeden Musikjournalisten aus. Da stehen fünf junge Herren auf der Bühne und zelebrieren irgendwo zischen Indie-Rock, eindringlichen Techno-Beats und tobenden Drums ihre eigene Form der Kunst.

Auch der Gesang wird als unwirklich wahr genommen und erscheint einem nur wie ein zerfließender Widerhall aus der Ferne, manchmal kommen sowieso nur Computerstimmen zum Einsatz. Breton tanzen derweil wild umher, wechseln Instrumente und schlagen dabei liebevoll auf sie ein. Dass man bei diesem abgefahrenen Schauspiel dann aber ganz natürlich anfängt zu tanzen, ist das Schönste. „Edward The Confessor“ sei hier als eines der Lieder genannt, bei dem es kein Halten mehr unter den Gästen des Mojo Clubs gibt. Ach ja, viele Worte richten Breton nicht ans Publikum – es würde auch irgendwie nicht passen. Tobender Applaus ist ihnen aber sicher.

Bei Urban Cone bleibt kein Tanzbein still. Fotoautor: Patricia Reyes.

Bei Urban Cone bleibt kein Tanzbein still.
Fotoautor: Patricia Reyes.

Urban Cone

Urban Cone scheinen sich seit ihrem letzten Besuch in Hamburg auf dem Dockville Festival vor einem Jahr in ihr schwedisches Bandhäuschen zurückgezogen haben, um dort an ein paar neuen Partykrachern zu tüfteln. Diese machen es sich wie gewohnt im Indie-Electro-Wunder-Land gemütlich und sorgen schnell für ein unausweichliches Zucken im Tanzbein. Altbekanntes Liedgut à la „We Should Go to France“ darf auch mit auf die Setlist und so verwandelt sich die Zuschauermasse im Docks schnell in ein wild springendes Bündel. Lediglich bei „Black Ocean“ – dem ersten Song, den die Band gemeinsam geschrieben hat, wie sie verrät – wird es ein wenig andächtiger im Raum. In der Zugabe dann mit „Urban Photograph” der absolute Überhit von Urban Cone und somit ein herrlicher Abschluss für die Show der jungen Synth-Rocker.

Willis Earl Beal sorgt für offene Münder. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Willis Earl Beal sorgt für offene Münder.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Willis Earl Beal

Der Blues-Sänger aus Chicago hat das Publikum des rappelvollen Grünspans vom ersten Moment an fest im Griff. Wie Willis Earl Beal seinen erdigen Blues-Rock präsentiert und dabei mit einer Wahnsinnstimme hypnotisiert – das macht ihm so schnell keiner nach. Dementsprechend wird jeder einzelne Song des Multiinstrumentalisten ehrfurchtsvoll und frenetisch von den Fans gefeiert. Eine definitiv konditionsfördernde Live-Show!

Zurück in die 60er mit den Strypes. Quelle: www.reeperbahnfestival.com

Zurück in die 60er mit den Strypes.
Quelle: www.reeperbahnfestival.com

The Strypes

Es ist soweit: Einer der am vielversprechendsten Geheimtipps des Reeperbahn Festivals betritt die Bretter. Ist das der junge John Lennon oder ein entfernter Verwandter von ihm? Diese Frage stellt sich einem automatisch, sobald der sich im Teenageralter befindliche Sänger in Anzug und schwarzer Sonnenbrille ins Scheinwerferlicht tritt. Sofort geht es los mit einer lauten Rock’n’Roll-Show, bei denen die vier zeigen, wie sie ihre Kindertage verbracht haben: Vermutlich zum Leidwesen ihrer Eltern mit ihren Instrumenten im Keller, denn wenn sie eins können, dann ist es die fingerfertige und zielgenaue Anwendung der Gitarren und des Schlagzeugs. Insbesondere die Übergänge zwischen den Liedern gefallen gut. Das klingt verdächtig nach den Sechzigern und holt noch mal den Rest Power aus den mittlerweile vermutlich erschöpften Festivalgängern raus.

Später landet ein Großteil der Besucher bei einer der vielen After Show-Partys und tanzt bis ins Morgengrauen, nur um in aller Frühe zum nächsten vielversprechenden Event aufzubrechen.

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Über Anne-Kathrin Fischer

Musikredakteurin und Konzertgängerin aus dem schönsten Hamburg. Kein Event, kein Festival, kein Regenbogen ohne mich!

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