RTL Supertalent

Echte Tränen und echte Scheiße

Da staunte Popmogul und Show-Großmaul Dieter Bohlen (59) nicht schlecht, als ein älterer Mann mit seiner Klarinette auf der Supertalentbühne erschien. „Mensch, Rainer!“ waren Bohlens letzte Worte, bevor der sonst so redselige Dampfplauderer für mehrere Momente verstummte. „Rainer … Wahnsinn …“, überschlug sich nocheinmal seine Stimme. Was war da los?

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Dieter Bohlen sah seinen Entdecker Rainer Felsen nach 30 Jahren das erste Mal wieder. Foto: RTL/Stefan Gregorowius

Dieter Bohlen sah seinen Entdecker Rainer Felsen nach 30 Jahren das erste Mal wieder. Foto: RTL/Stefan Gregorowius

Vor Dieter Bohlen und seinen Jurykollegen Guido Maria Kretschmer (48, Modedesigner), Lena Gerke (25, Model) und Bruce Darnell (56, Choreograf) stand Rainer Felsen (71), dem wir das Phänomen Dieter Bohlen zu verdanken haben. Felsen war Musikproduzent, betrieb ein Studio in Hamburg und gab Bohlen nach unendlich vielen Absagen von Plattenfirmen die Chance, eine eigene Produktion zu veröffentlichen.

Bohlen, der Felsen in diesem Moment, dem am Samstag Millionen TV-Zuseher bei der Supertalent-Zusammenfassung beiwohnen durften, nach fast 30 Jahren zum ersten Mal wieder sah, hatte mit den Tränen zu kämpfen. Und die waren echt. „Ich las auf meinem Zettel zwar ,Rainer Felsen‘, dachte mir aber nichts dabei, da gibt es ja bestimmt mehrere“, so Bohlen noch während der Sendung.

Das Supertalent

Schreivogel Joel Lariga Amper kam natürlich nicht weiter. Foto: RTL/Stefan Gregorowius

Die Tränen, die wahrscheinlich so mancher Zuschauer mit Dieter vergossen hat, stockten, als ein Act, nicht Frau, nicht Mann – nicht Vogel, nicht Monster auf der Bühne erschien. Die philippinische Transe Joel Lariga Amper (40) alias „Big Mouth“, versuchte mit einem, nach eigenen Angaben, asiatischen Traditionslied, das in den ersten Takten nach Klaus Nomi mit Asthmaanfall klang und sich bald zu einem Geschrei, das selbst Alfred Hitchcock seinem Publikum nicht zugemutet hätte, entwickelte. Die Folge: Ein No-Go für die Jury.

Gleiches widerfuhr einem selbsternannten Kartentrickkünstler, der irgendwie nicht hinne machte und dessen Gesichtsausdruck schon verriet: „Mann ich verarsche euch nur, ich kann gar nichts“. Dauerwellen-Guy Christian Tiemann, nach dessen Vorinterview man schon fast annehmen wollte, die restliche Schlagerbranche kann ab sofort heim gehen, krächzte einen Bernhard Brink-Hit ins Mikro. Böse Zungen behaupten, er hatte sich zum „Supertalent“ gerettet, weil er in sämtlichen Karaokebars Deutschlands Hausverbot hat.

Schlager-Locki im Karohemd: Fremdschämen für Christian Tiemann

Schlager-Locki im Karohemd: Fremdschämen für Christian Tiemann. Foto: RTL/Stefan Gregorowius

In die Kategorie „Süß“ kann eine Dreijährige eingestuft werden, die mithilfe vorgefertigter Zaubertrickkonstruktionen einmal eine Torte zum Vorschein brachte und das zweite Mal aus einem Stoffhasen einen echten Hasen machte. Das Talent hierbei liegt eher im ungewöhnlich hohen Selbstbewußtsein und einer durch die Eltern antrainirten Bühnenpräsenz. Nachdem der herbeigezauberte Hase auf der Bühne zurückblieben war und Dieter Bohlen etwas vonwegen, was machen wir jetzt, schmeckt gut mit Thymian, faselte, kam so manchem Tierfreund wahrscheinlich die eigene Galle hoch.

Sehr angetan war die Jury von den körperdefinierten Künsten des Akrobatenpaares Richard Jecsmen und Yana Semilet, die mit professioneller Leichtigkeit ihr Tagesgeschäft vor einem Millionenpublikum präsentieren konnten. Ebenfalls punkteten zwei Motocrossartisten mit ihrer Stuntshow, die an Glanzzeiten des ehemaligen ZDF-Zugpferdes „Wetten, dass …“ erinnerte. Auch hier ein klares Ergebnis: „Natürlich einstimmig weiter“.

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