Das Katzenklavier des Landgrafen

Katzenmusik im wahrsten Sinne des Wortes

Manche Geschichten sind so absurd, dass sie einfach wahr sein müssen. In diese Kategorie gehört sicherlich auch die Überlieferung, dass Landgraf Karl von Hessen-Kassel, der die Landgrafschaft von 1677 bis 1730 regierte, ein so genanntes Katzenklavier bauen ließ. Beweise dafür gibt es allerdings nicht.
Eduard Vehse zum Beispiel unterstellt in seinen »Hessischen Hofgeschichten« Landgraf Karl den Bau dieses makabren Instruments.

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Katzenklavier, Abbildung aus „La Nature“, 1883 (Quelle: Wikimedia Commons)

Katzenklavier, Abbildung aus „La Nature“, 1883 (Quelle: Wikimedia Commons)

Bei diesem eigenwilligen Klavier, das der Landgraf angeblich selbst erfunden hat, wurden vierzehn unterschiedlich große und alte Katzen in einen Kasten gesperrt, aus dem ihre Schwänze herausschauten. Die Tasten des Klaviers setzten nun nicht etwa Hämmerchen in Gang, die Saiten anschlugen, sondern sie waren mit spitzen Nadeln verbunden, die den Katzen in die Schwänze stachen. Da die Katzen nach der Tonhöhe ihrer Schmerzensschreie ausgesucht und angeordnet waren, ließ sich so eine regelrechte „Katzenmusik“ erzeugen.

Sicher falsch ist die Behauptung, Karl habe das Instrument erfunden, denn es wird bereits 1549 – im Zusammenhang mit Karl V. – ebenso erwähnt wie auch in der auch von Vehse selbst genannten »Musurgia Universalis« des Athanasius Kircher von 1650. Obwohl es einige bildliche Darstellungen gibt (neben der bei Kircher z.B. auch in Gasper Schotts 1657 erschienener »Magia Naturalis«) ist wohl davon auszugehen, dass dieses skurrile Instrument nie gebaut wurde. Insofern bleibt den Vertretern der historischen Aufführungspraxis wohl die Frage erpsrat, ob es legitim wäre, ein solches Instrument nachzubauen.

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