Der Song aus der Postbank-Werbung

Howard Carpendale und die Sparschweine

Sparschweine mal anders: als Discokugel, als Chips- oder Serviettenspender. Zu sehen ist das alles in der Postbank-Werbung. Was damit beworben wird: das Gold-Sparen-Angebot der Postbank. Das Guthaben wird hier mit einem zusätzlichen Gold-Bonus verzinst, der sich natürlich nach der Entwicklung des Goldpreises richtet. Der Clip ist schön anzusehen, aber das überzeugendste Argument zum Abschluss des Sparangebots ist die Musik. Die fängt mit einem groovigen Percussion-Part an und entwickelt sich dank verzerrter Gitarre zu einem psychedelischen Funkrock-Sturm.

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Die andere Seite des Schlagers: Howie Carpendale. Photo Credt: Trawinski, Columbia

Die andere Seite des Schlagers: Howie Carpendale. Photo Credit: Trawinski, Columbia

Schließlich singt eine betörende Männerstimme: „Du warst enttäuscht von der Liebe, weil einer dir weh getan. Doch das war keine Liebe. Die fängt erste jetzt für dich an. Du hast mich, ja nur mich. Ich leb nur für dich, oh“.

Kaum zu glauben, es ist tatsächlich Howard Carpendale, der das singt. Erschienen ist der für Carpendale komplett untypische Song 1970 als B-Seite der Hit-Single „Das schöne Mädchen von Seite 1“. Rare-Groove-DJs gilt „Du hast mich“ schon lange als Kult. Schlager-Fans halten den Freak-Hit allerdings für einen bösen Ausrutscher ihres Lieblings.

Hintergrund: „Du hast mich“ ist eine ins deutsche übersetzte Cover-Version von Daisy Clan’s „Glory Be“. Daisy Clan ist die Band des Schlagerkomponisten Joe Haider, der hier (zusammen mit Michael Holm!) seine Beat- und Rock-Leidenschaft auslebte.

Durch die Postbank-Werbung ist dieses Juwel der deutschen Beat-Geschichte wieder neu entdeckt worden. Dennoch passt die Musik eher zu einem Quentin-Tarantino-Film als zu einem Sparschweinchen-Clip. Zu entdecken gibt es aber noch mehr ungewöhnliche Rock-Seitensprünge von Schlager-Veteranen. Ich empfehle Tarantino für den Soundtrack zu seinem nächsten Film den nicht minder durchgeknallten Schlagerausbruchsversuch „Smog in Frankfurt“ von Michael Holm.

Wer hat noch mehr zu bieten?

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Über Bernd Schwope

Journalist, DJ und leidenschaftlicher Plattensammler, wohnt und arbeitet in Langenhagen bei Hannover. Seine Vorliebe gilt schwarzer Musik von Soul/Funk über Jazz bis zu Chicago House. Motto: Es gibt nur gute oder schlechte Musik.

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