Das Schleswig-Holstein Musik Festival 2013 lockt mit baltischen Klängen

Der Musiksommer 2013 scheint noch in weiter Ferne zu liegen, doch hinter den Kulissen laufen die Motoren der Festivalmaschinerie bereits auf vollen Touren. Am 22. Februar präsentierte Rolf Beck, seit 1999 Intendant des Schleswig-Holstein Musik Festivals, im Kieler Schloss das Programm der diesjährigen Ausgabe des Kulturevents.

„Bewegend baltisch“, verspricht das Motto, wird es vom 6. Juli bis zum 25. August in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und in Teilen Dänemarks zugehen, denn der Länderschwerpunkt des SHMF widmet sich in diesem Jahr Estland, Lettland und Litauen. Zwar sind die drei Staaten politisch erst im 20. Jahrhundert durch die Unabhängigkeitsbestrebungen gegenüber Russland bzw. der Sowjetunion enger zusammengerückt, doch gibt es zahlreiche kulturelle Verbindungen, nicht zuletzt die ausgeprägte Tradition der vokalen Volksmusik.

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Musiker vor Schiff, www.shmf.de

Das SHMF 2013 blickt ins Baltikum, © Axel Nickolaus

Die schlug sich im August 1989 eindrucksvoll in der „Singenden Revolution“ nieder, als eine 600 Kilometer lange Kette singender Menschen Talinn, Riga und Vilnius verband, um ihrem Wunsch nach Freiheit Gehör zu verleihen. Die Sängerkette ging als „Baltischer Weg“ in die Geschichte ein und legte einen Grundstein für die Unabhängigkeit von Russland.

Hochkarätige baltische Künstler werden den Länderschwerpunkt gestalten, darunter die Dirigenten Mariss Jansons, Kristjan Järvi und Andris Nelsons, der Geiger Gidon Kremer, Cellist Mischa Maisky, Iveta Apkalna, die als erste Orgelsolistin überhaupt einen ECHO-Klassik erhielt, das kammermusikalische Geschwister-Duo Baiba und Lauma Skride, die Kremerata Baltica, das Baltic Youth Philharmonic, die A-cappella-Gruppe Latvian Voices, die Band Iïìi mit „postfolkloristischem“ Folk-Rock und das Arsis Handbell Ensemble, das mit einem der weltweit besten Handglockensätze zu faszinieren weiß. Ein Arvo-Pärt-Wochenende darf beim baltischen Themenschwerpunkt natürlich auch nicht fehlen, und in Erinnerung an die „Singende Revolution“ wird unter Leitung von Chorsänger-Ikone Eric Whitacre ein großes Sängerfest veranstaltet, das verschiedene Chöre und das Publikum zu einem einzigen Ensemble verschmelzen soll. Man darf also gespannt sein.

Flying Steps©Dirk Muthesius, Red Bull Content Pool

Die Flying Steps mixen beim SHMF Bach und Breakdance,©Dirk Muthesius, Red Bull Content Pool

Wie immer geben sich beim SHMF auch außerhalb des Länderschwerpunktes internationale Klassikstars ein Stelldichein. In diesem Jahr sind unter anderem Maurizio Pollini, Grigory Sokolov, Hélène Grimaud, Tabea Zimmermann, Fazıl Say, Elisabeth Leonskaja, Frank Peter Zimmermann, Sabine Meyer, Lorin Maazel mit den Wiener Philharmonikern und Il Giardino Armonico dabei. Und ein besonderer Tipp für alle, die gerne über den Tellerrand blicken: die Performance der mehrfachen Breakdance-Weltmeister Flying Steps, die ein Crossover zwischen Johann Sebastian Bach, Elektrobeats, klassischem Tanz und Breakdance auf die Bühne bringen wollen.

NDR Sinfonieorchester©NDR, Klaus Westermann

Eröffnen in guter Tradition das Festival: Die Musiker des NDR Sinfonieorchesters, ©NDR, Klaus Westermann

Das Eröffnungskonzert findet am 6. und 7. Juli in der Musik- und Kongresshalle Lübeck statt. Das NDR Sinfonieorchester, das bereits seit 25 Jahren das SHMF eröffnet, spielt unter Leitung von Thomas Hengelbrock Bruckners 4. Sinfonie, eine Reminiszenz an die legendären Bruckner-Konzerte, die Günter Wand im Rahmen des Festivals gab. Außerdem ist Hélène Grimaud mit Schumanns Klavierkonzert a-Moll zu erleben. Beim Abschlusskonzert im Kieler Schloss, ebenfalls mit dem NDR Sinfonieorchester, wird es wagnern, in diesem Jahr keine allzu große Überraschung. Solistin ist die lettische Sopranistin Kristīne Opolais, Dirigent ihr Ehemann Andris Nelsons.

Insgesamt stehen 118 Konzerte auf dem Spielplan, drei Musikfeste auf dem Lande und ein Kindermusikfest. Das sind etwas weniger als im Vorjahr, denn das SHMF muss eine Kürzung des Landeszuschusses um knapp 250 000 Euro hinnehmen. An der Qualität wird jedoch nach Aussage von Rolf Beck nicht gespart. Auch der Nachwuchsförderung ist wieder ein breites Programm aus Orchesterakademie, Meisterkursen und Wettbewerben gewidmet. Das gesamte Festival-Budget beläuft sich auf rund sieben Millionen Euro. Die Eigenfinanzierungsquote liegt bei fast 83 Prozent, von denen 40 Prozent Sponsoren beisteuern und 45 Prozent aus dem Kartenverkauf erwirtschaftet werden sollen.

Hier geht es zur Übersicht über das Festival-Programm.

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Über Maike Steenblock

Freie Journalistin aus Hamburg. Studierte Klassische Philologie und Geschichte in Hamburg und Rom, schreibt über Food und jetzt auch über Musik. Spezialgebiet: Klassik

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