Slipknot-Drummer im Alleingang

Scar The Martyr – Scar The Martyr: Erfolgreiche Herzmassage für den Industrial

An manchen Tagen will man morgens um sechs den Briefträger aus dem Bett klingeln und fragen, wo zum Teufel er bleibt, weil man die bestellte CD schon spukig aus dem Postgebäude nach einem rufen hört.
Zugegeben, auf kaum ein Album habe ich dieses Jahr so dauerwuschig gewartet, wie auf die Debüt-Scheibe von Scar The Martyr. Noch nie gehört, denkt ihr? Doch, garantiert.

Administriere bereits ab €0,- Deine Tanzschule!

Endlich überall erhältlich: Scar The Martyr (Quelle: Roadrunner Records/Warner)

Endlich überall erhältlich: Scar The Martyr (Quelle: Roadrunner Records/Warner)

Denn bei dem amerikanischen Act handelt es sich um die brandneue Band von Slipknot Drummer Joey Jordison, der mal wieder alles kann, außer untätig auf dem Sofa zu sitzen und auf seine Maskenkollegen zu warten. Also startete er mal eben ein Nebenprojekt mit Ex-Musikern von Strapping Young Lad, Nine Inch Nails und Darkest Hour, legte jedoch wert darauf, einen recht unbekannten Sänger in Form von Henry Derek einzusetzen, um keine reine Supergroup zu erschaffen. Und das Ergebnis ist – wie hätte es auch anders ein können – bombastisch, wenn auch stilistisch etwas gewöhnungsbedürftig.

Joey Jordisons Vita liest sich wie ein perverses Best Of des Metals: Als einer der besten Schlagzeuger der Welt heimste er dank Slipknot zahlreiche Grammys ein, tanzte in Frauenkleidung mit seiner Horror Zweitband Murderdolls durch die Welt, und da ihm dazwischen langweilig wurde, absolvierte er auch noch Tourneen mit Ministry, KoRn, Rob Zombie und sprang sogar ohne jegliche Vorbereitung bei Metallica ein. Aber da das Herrn Jordison scheinbar immer noch nicht genug Spannung ist, startet er nun sein brandneues Projekt Scar The Martyr:

Der Einstieg „Dark Ages“ ist ein wenig unglücklich gewählt, mit viel Geschredder, das nicht wirklich ins Ohr gehen will, doch ab „My Retribution“ ist dies sofort vergessen und die Scheibe beginnt, sich von ihrer besten Seite zu zeigen. Die vorab veröffentlichte Single „Blood Host“, die dem ein oder anderen schon bekannt sein dürfte, ist dabei eins der schwächeren Stücke und kommt bei weitem nicht an die Vielfältigkeit und Melodie heran, die „Cruel Ocean“ zu bieten hat. Mit dem genialen Highlight „Soul Disintegration“ wären die Neulinge vermutlich besser gestartet, der Songs quetscht sich sofort als Ohrwurm fest, elektronisch, fast ein wenig bizarr, mit Vocals, wie man sie zuletzt bei Orgy gehört hat.

Einen neuen Stil haben Scar The Martyr zwar nicht kreiert, allerdings hauchen sie einem Genre wieder Leben ein, das seit bestimmt zehn Jahren totgeglaubt war. Industrial Metal steigt langsam aus dem Grab und klopft sich den Dreck vom Hemd, harte Gitarren und Elektro krabbeln endlich wieder Hand und Hand aus der Hölle hervor. Nein, gefallen wird das nicht jedem und einige werden wohl schon allein wegen der slipknotschen Abstammung die Band boykottieren. Aber das kann Joey Jordison mittlerweile egal sein – und der Scheibe auch, denn die hat genügend Eigenleben.

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!

Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.

Eine Antwort auf Scar The Martyr – Scar The Martyr: Erfolgreiche Herzmassage für den Industrial

  1. Pingback: Neuste Show von Slipknot bei Youtube – amusio.com

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>