Live Music Hall, 1.10.2013

Die Kinder sind los: Children of Bodom live in Köln

In Finnland gibt es gefühlt längst mehr Melodic-Death-Metal-Bands als Einwohner. Folgerichtig ist ein attraktives Dreier-Package davon gerade unterwegs und erschüttert die Bühnen Europas. Wir waren dabei, als CHILDREN OF BODOM, INSOMNIUM und MEDEIA in Köln in die Klampfen hauten.

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Melodischer Tod: CHILDREN OF BODOM. (Bild: Thomas Mendle)

Melodischer Tod: CHILDREN OF BODOM. (Bild: Thomas Mendle)

Noch wenig bekannt sind MEDEIA, die sich anschickten, gleich mit ultra-derbem Geknüppel die Menge anzuheizen, was allerdings nur bedingt gelang. Die Nordmänner präsentierten auch das eine oder andere Häppchen vom neuen Album „Iconoclastic“, das am 25. Oktober erscheint. Auch wenn sich die sechs Musiker mächtig ins Zeug legten, hatten Sie Mühe gegen den Matsch-Sound anzuspielen. Auch die mächtigen Double-Bass-Attacken und die fiese Growls von Shouter Keijo Niinimaa ließen das Publikum nicht so richtig warm werden.

Längst mehr als ein Geheimtipp sind die melodischen Dunkelheimer INSOMNIUM, schließlich haben die Mannen um Ville Frimann bereits ihre fünfte Studio-Langrille am Start. Und so sehr das Publikum gespannt war, so sehr ging der Start der Show in die Hose. Die Abstimmung unter den Musikern haperte beim ersten Song „Inertia“, die beiden Sänger waren kaum zu hören und beim Schlagzeug dominierten einzig die Bass-Drums. Beim zweiten Song war aber – hektischem Reglerdrehen an den Mischpulten sei Dank – alles wieder halbwegs im Lot. Die Finnen zeichnet stets ein dichter Sound aus – mit sehr präsentem Gitarren-Riffing und einem Wechsel von derben Death-Parts mit melodiösen Abschnitten. Trotzdem hätte der Gig einen Tick mehr Schwung und Tempo vertragen können. Die Show dominierte das aktuelleste Material der „One for Sorrow“-Scheibe a la „Through the Shadows“ und „Only One Who Waits“. Als Schmankerl stellten INSOMNIUM den Titeltrack ihrer neuen EP Ephemeral vor.

Fuckin' Charisma: Alexi Laiho. (Bild: Anne Swallow)

Fuckin’ Charisma: Alexi Laiho. (Bild: Anne Swallow)

Es war schon ein paar Jahre her gewesen, als CHILDREN OF BODOM in Köln die Hallen gerockt haben, und so stieg die Spannung auf den charismatischen Alexi „Wildchild“ Laiho und seine Truppe. Fuckin’ entsprechend fuckin’ war die fuckin’ Reaktion des fuckin’ Publikum, als die fuckin’ Musiker fuckin’ auf die fuckin’ Bühne gestürmt sind. Wer in den Ansagen des schmächtigen wilden Kinds hätte die „fuckings“ zählen wollen, hätte wohl mehrere Schreibblocks vollgeschrieben. Einerlei, Laiho und die Kinder sind schließlich nicht als Geschichtenerzähler an den Rhein gekommen, sondern um Musik zu machen. Und dass die fünf etwas können an den Klampfen, Tasten und Drumsticks machten Sie durchaus klar. Neueres Material wie der Titeltrack der aktuellen Scheibe „Halo of Blood“ und der Opener „Transference“ mischte sich mit „old fuckin’ CoB Shit“ (Originalton Laiho) al la “Hate Crew Death Roll”, “Are You Dead Yet?” und “Bodom After Midnight”. Als schönes Zuckerl gab es „Towards Dead End“, das die Band nach eigener Aussage seit zwölf Jahren nicht mehr live gespielt hatte.

Frapanterweise fehlte dem Gig der Kinder vom See die kompromisslose Energie und die brachiale Kraft, die sonst ihre Auftritte auszeichnet. Ob es am angeschlagenen Laiho lag („I feel fuckin’ sick today“) oder am mäßigen Sound, sei dahingestellt. Die Fans waren guter Laune, aber das Dauer-Headbangen der Menge und die Riesen-Moshpits, die die Finnen normalerweise mit dem ersten kurzen Riff auslösen, blieben aus.

Fazit: Wer gekommen war, hat es sicher nicht bereut, auch wenn die Performance der drei Bands noch deutlich Luft nach oben bietet. Ein spaßiger Melodic-Death-Abend bot sich den rund 600 Besuchern allemal.

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Über Thomas Mendle

Freier Journalist und Autor. Lebt nach Zwischenstationen in Tübingen, Phoenix/Arizona und Bonn in Düsseldorf und arbeitet für mehrere große Tageszeitungen sowie für die dpa. Rock, Hard Rock und Heavy Metal gehören ebenso zu seinen Spezialgebieten wie Auto und Motorrad.

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