Das mit Spannung erwartete Album nach "XOXO"

Review: Casper – “Hinterland”

Schwieriger und gleichzeitig komfortabler kann die Situation für einen Künstler wohl kaum sein: Da machst du ein Über-Album zu einem Zeitpunkt, da du doch noch relativ unbekannt bist. Nach der Veröffentlichung und den dazugehörigen positiven Kritiken wirst du als Hoffnung des deutschen Rap gefeiert. Du kostest den Festivalsommer in vollen Zügen aus und bist nun endlich der gefragte Musiker, der du immer sein wolltest. Aber nach dem Album ist eben auch vor dem Album. Das weiß auch Casper, der mit „Hinterland“ jetzt sein viertes Studioalbum und vor allem DAS Album nach „XOXO“ (2011) vorgelegt hat.

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So sieht also Caspers Hinterland aus / Quelle: Four Music (Sony Music)

So sieht also Caspers Hinterland aus / Quelle: Four Music (Sony Music)

Vorab wurden bereits die Tracks „Im Ascheregen“ und „Hinterland“ veröffentlicht. Mit diesen beiden Nummern hat man wohl leider auch schon die stärksten Songs der neuen Platte präsentiert.

„Im Ascheregen“ zieht den Hörer vor allem mit langem Intro, treibendem Rhythmus und dem dazugehörigen, leicht archaisch-religiösen Musikvideo in seinen Bann. Die Verfilmung der „Ascheregen-Blaupause“ „Hinterland“ wirkt hingegen, wie so viele Musikvideoproduktionen dieser Zeit, kalt und berechnend. Ein bisschen Landschaft, Amerika-Feeling, eine hübsche Frau, die Wir-Können-Alles-Mentalität und schon ist er fertig, der aktuelle Musikvideo-Einheitsbrei.

In Track Nummer drei „Alles Endet (Aber Nicht Die Musik)“ wird Caspers Liebe zu The Cure recht deutlich. Diese Art der Verwertung von Allerweltsphrasen im Sinne von „The Music Will Never Stop!“ kommt dabei aber leider ein bisschen zu verquast und pathetisch rüber.

Ein großer Trend des gesamten Albums deutet sich dann in Titel vier an: „Nach der Demo ging´s bergab“: Hier beginnt das große Text-Recycling, welches der 31-jährige Rapper im Folgenden noch weiter ausreizen wird: Musikalisch könnte dieses Lied auch auf die neue Thees Uhlmann-Platte passen. Das von Wir Sind Helden herbei getextete Denkmal wird hingegen einfach nochmal beschmiert.

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Über Peter Geuze

Lebt und arbeitet als Musiker, Musiklehrer und freiberuflicher Musikredakteur in Leipzig. Lieblingsthema ist rockige Gitarrenmusik, aber auch für andere Klänge hat er stets ein offenes Ohr.

Eine Antwort auf Review: Casper – “Hinterland”

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