Erste Deutschlandshow

Palehorse im Anflug, „Harm starts here“

Was ist das? Sludge-Hardcore-Metal-Rotzdreck? Oder eher respektlos verschwurbelter Matschsound, bei dem der Hörer stets einen Ausbruch ersehnt, der niemals kommen wird? Nein, Erlösung bieten die Londoner Palehorse nicht. Mit bemerkenswerter Weise zwei Bässen (keine Gitarre!) ausgestattet, drücken sie des Hörers Näschen immer wieder in dessen eigene Häufchen. Subtil, gemein und ungeheuerlich. Wie auch das neue Album, „Harm starts here“ (Candlelight), das Palehorse am 16. Oktober im Kölner Blue Shell und am 18. Oktober im Schokoladen zu Berlin vorstellen werden.

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„Ex-Million Dead, Armed Response Unit, Trencher“ – das klingt alles nach spätpubertärer Großmannssucht und Herrenreiterverarsche. Als Palehorse haben sich fünf Londoner Pfeifen zusammengetan, um erwachsen zu werden und Ernst zu machen. Jedoch ohne vordergründige Effekthascherei. Denn die Qualität von „Harm starts here“ erschließt sich erst nach mehrmaligem Hören, was im Genre „Sludge-Hardcore-Metal“ keine Selbstverständlichkeit darstellt.

Stets up to date: Palehorse (the quietus.com)

Stets up to date: Palehorse (the quietus.com)

Nein, Palehorse gehören nicht zu den Flotten, die mal eben drei Riffs aneinanderreihen und sich damit zufrieden geben, auf diese Idee gekommen zu sein. Der Dreck sitzt tiefer, ungefähr dort, wo seit Jahren nicht geschnittene Zehennägel ihren Anfang nehmen. Allein der Vergleich zu den New Yorkern Unsane drängt sich auf, doch wo diese einen frontal umhauen, legen Palehorse den geneigten Hörer eher sanft aufs Nagelbett.

Die Konzerte in Köln und Berlin werden zeigen, auf welchem Niveau sich diese Band bewegt. Ob sie es schafft, den konzeptionalen Rahmen auszufüllen, den sie sie sich selbst gezimmert hat. Es geht, wie immer, um alles: Zerbrechen sie an den eigenen Antagonismen oder überwinden sie diese, indem sie ihrem Publikum ordentlich in die Fresse hauen.

Inhaltlich ambitionierte Acts haben es schon immer schwer gehabt (es sei denn, sie heißen „Laibach“ und rühren an allerniederste Instinkte), das Fatale wäre in jedem Fall die Ignoranz. Clown Beppo geht in die Krebsbaracke, doch niemand lacht. In Köln und Berlin werden die Moribunden aus dem Lachen nicht mehr raus kommen, versprochen! „London Powerviolence“.

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