Mit Ville Valo in Hamburg

Interview mit HIM: Goldsucher in der Dunkelheit

Vor 13 Jahren revolutionierten sie den Gothic Metal mit “Join Me”, waren im Großformat als Bravo-Poster erhältlich und sind bis heute als Melancholie-Rocker noch regelmäßig ganz hoch in den Charts vertreten: HIM. Sie werden einfach nicht älter und begeistern nun mit ihrem neuen Album “Tears on Tape” Fans zwischen 10 und 100. Noch immer gilt Ville Valo als sexy Vorzeigefinne und ringt mit Hilfe seiner düsteren bebenden Stimme auf jeder Scheibe mit dem Tod und der wahren Liebe, hin und wieder hat er aber auch mal Zeit für ein Bierkränzchen und empfing uns vor seinem Gig in Hamburg am 6. Oktober.

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Gastierte mit HIM mal wieder in der Großen Freiheit: Ville Valo (Foto: Anne Swallow)

Gastierte mit HIM mal wieder in der Großen Freiheit: Ville Valo (Foto: Anne Swallow)

Amusio: Dass du eure neuste CD „Tears on Tape“ genannt hast, sollte eine Hommage an deine musikalischen Idole sein, die im übertragenen Sinne Tränen auf ihre Tonbänder tropfen ließen und du sagtest schon, dass Musik für dich wie ein Tagebuch ist. Gibt es ganz bestimmte Songs, die du mit erinnerungswürdigen Momenten deines Lebens verbindest?

Ville Valo: Witzigerweise vor allem finnischer Schlager! Meine Eltern hörten früher immer solche Schmalz-Songs und deshalb verbinde ich viele davon mit meiner frühsten Kindheit. Als ich dann in die Schule ging, war der Soundtrack zu meinem Leben KISS, WASP oder Twisted Sister! Wobei ich sagen muss, dass ich diese Musik weniger mit konkreten Momenten verbinde, vor allem kommen da Gefühle hoch, die ich zu dem und dem Zeitpunkt durchlebte. Der Beginn des Frühlings, die ersten Herbstblätter…

Oder der Schulabschluss?

Genau! Wobei man bei so alter Musik immer wieder neue Erinnerungen dazu sammelt, je nachdem in welcher Ära seines Lebens man sie hört.

Du beschreibst Tränen als wichtigen Bestandteil deines Lebens, die der Existenz erst richtig Tiefe verleihen und dich die guten Momente schätzen lassen – welche Songs rühren dich denn zu Tränen? Und sind darunter auch selbstgeschriebene?

Schon, das sind aber Freudentränen, die besonders dann kommen, wenn du etwas erreicht oder zu Ende gebracht hast! Sei es die Fertigstellung eines Albums, aber auch der Moment, in dem du merkst, dass deine Songs langsam Form annehmen, nachdem du so viel Zeit bei der Probe verbracht hast. Dann die Aufnahme und natürlich das Zittern vor der Veröffentlichung, das nimmt einen doch gewaltig mit.
Und später fühlt man dann die Erinnerungen an die Zeit hochkommen, und weiß sofort wieder, wie man sich fühlte, als man einen gewissen Song schrieb oder man erhält neue Erinnerungen, während man das Lied live spielt. Oftmals sind solche Songs wie mein privates Tagebuch, obwohl die Texte nicht zwangsläufig auf die Realität Bezug nehmen, es sind mehr Artefakte aus einer Epoche.

Wie fühlt es sich denn für dich an, ganz alte Songs wie „Join me“ oder „Right Here in My Arms“ zu spielen, magst du es oder geht es dir nach all den Jahren auf die Nerven?

Zu einer gewissen Zeit tat es das, mittlerweile ist das aber nicht mehr der Fall. Denn jeder Song wir jeden Abend neu geschrieben, es ist ein anderes Publikum, eine andere Stimmung, eine andere Halle – und das macht den Unterschied. Wenn ich mir hingegen vorstelle, hundert Gigs am Stück in der Großen Freiheit hier spielen zu müssen, wäre es wohl schon frustrierend, denn jede Nacht nur dasselbe zu sehen, würde es langweilig machen.
Aber so wie es nun ist, liebe ich es, die unterschiedlichen Lichtverhältnisse einer Halle, die Reaktion des Publikums, so bleibt es immer spannend.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.

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