Annthrax

Eine Seefahrt, die ist metal…

Also ich bin die Anne, die Anne hört Metal und kommt morgens nicht aus dem Bett, es sei denn die Nachbarin dudelt Schlager durch die Wände und klatscht so laut mit, dass Anne beschließt, es sei mal wieder Zeit für Urlaub. Sommer, Sonne, Alkohol. Was tun? Wacken war ja erst. Aber da meiner einer gerade von Turisas und Ensiferum lernte, wie man Dörfer niederbrennt und Wickingerschiffe steuert, fällt die Wahl der Urlaubsunterkunft gar nicht mal so schwer – ein Boot muss her!

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(Foto: Antony Swallow)

(Foto: Antony Swallow)

Gott sei Dank gibt es da ja einen ganz neuen Trend für Metalophile, Piraten und Menschen, die gerne über die Reling reihern: Metalkreuzfahrten. Kurz gesagt, ein Festival wie die Full Metal Cruise oder 70.000 Tons of Metal, das über mehrere Tage auf einem Kreuzfahrtschiff angesiedelt ist und wahlweise durch die Ostsee, das Mittelmeer oder gar die Karibik schübbert (keine Sorge, die Rentnerdauerbewohner wurden vorher an den Hafen gekehrt).

Was passiert also, wenn man zweitausend Metaller mit Bands und Personal für eine Woche auf ein Schiff sperrt? Richtig! Untergehen kann das Ding schonmal nicht, denn sobald der fatale karibische Eisberg gerammt wurde, kommen einfach die Roadies und kleben das Loch mit Panzerband zu.

Auch ein blutiger Piratenüberfall ist wohl eher unwahrscheinlich, wenn an der Reling unzählige, zwei Meter große Bären mit Corpse Paint und Nietenarmbändern stehen, die ihrer Nordmannenaxt ein wenig Frischluft gönnen wollen.

Natürlich lässt sich erst einmal annehmen, dass das elegante Luxusschiff innerhalb zwei Stunden aussieht wie ein Saustall und das Personal verzweifelt zurück zur Küste schwimmt, doch wie die Menschheit schon durch Wacken gelernt hat, ist das halb so wild: Denn Metaller sind eigentlich ganz nett – und machen oftmals weit weniger Stress, als Opa Kurt-Josef, der einen Fliegenschiss auf seinem Bullauge entdeckt und das Schiff erstmal auf dreißig Millionen Euro verklagt.
Stattdessen läuft das eher so ab:
„Herr Meyer, wir haben eine ganz schlechte Nachricht für Sie…“
„OH MEIN GOTT, DAS BIER IST LEER?“ Bei einem Durchschnittskonsum von 16 Litern pro Kopf gar nicht so unwahrscheinlich…
„Nein, wir haben leider noch nicht geschafft, ihr Bett zu machen!“
„ABER BIER IST NOCH DA?!“

Betten? Und dann auch noch gemachte? Ein unvorstellbarer Luxus. Gewohnt ist man ein “Zelt auf, inklusive Stiefel nach vorne kippen, Zelt zu”. Dass es auf solch einem Kreuzfahrtschiff demnach elegante Zimmer, Sauna, Essen in allen möglichen Facetten und Farben, Boutiquen und obendrein auch noch zahlreiche Bühnen mit hochkarätigen Musikacts gibt, ist für den Wackenmenschen, der jeden Morgen genüsslich gegen den nächstbesten Zaun uriniert, befremdlich – aber geil!

Gäbe es da nicht die fatale Tatsache mit dem Preis. Tausend bis zweitausend Tacken sollte man je nach Reise und Preiskategorie schon einplanen. Was vielen spontan zu teuer wirkt, ist aber für andere der langersehnte jährliche Kultur-Urlaub.
Haustiere sind nur leider nicht erlaubt. Also keine Ahnung, ob ich meinen Hausdrachen einfach so für eine Woche zum Hundesitter schicken kann…

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.

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