Zu viel des Guten

RJD2 – More Is Than Isn‘t

More Is Than Isn’t, das neue Album des US-amerikanischen Beatbastlers RJD2, impliziert schon im Titel ein großes Projekt. Zu groß, wie man leider sagen muss. Aus dem ambitionierten Vorhaben, möglichst viele musikalische Elemente zusammenzubringen, ist eine ziemlich überfrachtete und mitunter anstrengende Platte geworden.

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More Is Than Isn't: RJD2 zurück mit neuem Album © Benny Mistak

More Is Than Isn’t: RJD2 zurück mit neuem Album
© Benny Mistak

Als DJ und Produzent zeigt RJD2, der eigentlich Ramble Jon Krohn heißt, normalerweise viel Fingerspitzengefühl beim Mixen von Funk- und Soul-Samples mit Hip Hop- und Jazz-Rhythmen. Mit seinem Markenzeichen, samplebasierten Loops, hat er sich nicht nur in der Hip Hop-Szene einen Namen gemacht. Radiohead, die Strokes und Massive Attack gehören zu seinen Fans, seine Songs sind in Werbespots, Filmen und Serien (u.a. Titelmelodie zu Mad Men) zu hören.

Auf seinem fünften Studioalbum, dem zweiten, das er in Eigenregie auf seinem Label RJs Electrical Connections herausgebracht hat, hat es RJD2 mit dem Tüfteln und Experimentieren zu gut gemeint. Hier trifft Rock auf 70er-Jahre-Westcoast-Entspanntheit, Blues auf Vogelgezwitscher und Klaviersamples, Rap auf psychedelische Elektro-Frickeleien. Eigentlich ein ambitioniertes Vorhaben – wenn es denn geglückt wäre. Von den 16, überwiegend instrumentalen Tracks ist die die Hälfte langweilig bis okay, der Rest ist bestenfalls anstrengend. Zu gegensätzlich sind die verschiedenen Elemente, zu groß die Brüche, zu oft klingen die Songs nach dem Spieleautomaten aus der Kneipe von nebenan.

Dem Album fehlt es allgemein an Kontur. Würde es nicht von drei Stücken (Suite 1, 2 und 3) zusammengehalten, die dasselbe harmonische Thema immer wieder neu aufgreifen und dadurch etwas Beständigkeit in das restliche Durcheinander bringen, es würde völlig auseinanderbröckeln. Nur in ein paar wenigen Songs (Behold, Numbers, Milk Tooth) blitzt kurz der alte RJ, der mit den genial smoothen Beats und Melodien wie zu Zeiten von Ghostwriter und 1976, auf. Einen auditiven Lichtblick bilden außerdem die Features der zahlreichen Gast-Sänger (Phonte Coleman, Aaron Livingstone) und -Rapper (Blueprint, P. Blackk) auf dem Album.

Dennoch: Weniger wäre mehr gewesen.

More Is Than Isn’t ist auf RJs Electrical Connections erschienen und seit dem 08. Oktober im Handel erhältlich.

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Über Sarah Zimmermann

Sarah ist freiberufliche Lektorin und Redakteurin. Sie lebt und arbeitet in Kassel. Schwerpunkte: Singer-Songwriter | Folk-Pop | Independent | (Brit) Pop | Electro

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