Farben der Nacht

Dortmunder Philharmoniker beschwören Meereszauber

„nacht_stücke“ lautete das Motto des 2.Philharmonischen Konzerts in Dortmund. Claude Debussy, der große französische Komponist der Jahrhundertwende, setzte die erste dieser musikalischen Impressionen  mit seinen ‘Trois Nocturnes” ( entstanden zwischen 1897-1899). Und tatsächlich entwickelte sich unter dem Dirigat von Stefan Solyom, schwedischer Newcomer und inzwischen mehr als ein Geheimtip, eine Symphonie voller Klangfarben, schwebender Akkorde und flutender Klänge. Stefan Solyom führte das Orchester mit sicherer Hand präzise durch alle Klippen der anspruchsvollen Partitur, und ein selten gehörter Raumklang verstärkte diesen Eindruck noch.

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Einziger Schwachpunkt des ersten Teiles war der im dritten Satz vorkommende Chor (Sinfonischer Chor der Chorakademie am Konzerthaus e.V.): in der rechten hinteren Ecke des Podiums zusammengepresst, versuchten die Damen ihr bestes, ohne auch nur annähernd an die Qualität des Orchesters heran zu reichen.

Stefan Solyom (© Tony Briggs)

Stefan Solyom (© Tony Briggs)

Es gelang kein Gesamtklang mit dem Orchester, und die Betonung einzelner Stimmen wirkte zufällig. Dieser Sirenengesang weckte ungute Erinnerungen an die griechischen Mythen. Hatte sich Odysseus nicht die Ohren verstopft, um die Sirenen nicht zu hören? Ganz typisch dafür das Ende: während dem Orchester ein wirkliches Verdämmern des Klanges ganz im Sinne Debussys gelang, hörte der Chor ganz einfach mit dem Singen auf. Und so hörte sich das dann auch an. -  Weiter ging es dann auf der Solistenposition vor der Pause mit dem berühmt-berüchtigten Konzert für Klavier und Orchester “mit der linken Hand” (entstanden 1929 bis 1930) Das Konzert genießt durch seine dramatische Entstehungsgeschichte bereit eine Sonderstellung. Der Pianist Paul Wittgenstein, der im ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren hatte, bat bekanntermaßen Ravel um ein Klavierkonzert, das er bewältigen könne. Das innerhalb kürzester Zeit fertiggestellte Werk gefiel Wittgenstein zuerst überhaupt nicht, und es kam zu hitzigen Auseinandersetzungen mit Ravel. Hier verlief der Abend harmonisch. Der junge Pianist Herbert Schuch begann zwar etwas schnell und überakzentuiert, demonstrativ nur eine Hand benützend, aber bereits nach kurzer Zeit kam es zu einem in weiten Teilen perfekten Zusammenspiel, das vor allem die lyrischen Passagen besonders hervortreten ließ.
Die Zugabe (eine Etüde von Liszt) spielte Schuch dann auf ausdrücklichen Wunsch mit zwei Händen und erntete verdienten Applaus.

Herbert Schuch (© Broede)

Herbert Schuch (© Broede)

Nach der Pause kam als Überleitung Mozarts Dauerbrenner “Kleine Nachtmusik” , auf die man unter Umständen hätte verzichten können. Umso mehr, als das Orchester hier vor allem im zweiten Satz streckenweise auf Autopilot geschaltete zu haben schien und eher indifferent wirkte.  Die Prager Symphonie von Mozart KV 504 bildete den Abschluss, und hier konnte der Dirigent wieder seine Qualitäten zeigen; ein luzider, trotzdem dynamischer Klang, Alles in allem ein sehr schöner Konzertabend, dessen Programmatik sich mir zwar nicht ganz erschlossen hat. Dennoch würde man Dirigent, Solist und Orchester in dieser Form gerne öfter hören.

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