UNDERSTANDING TECHNO VI

Die Befreiung der Klangfarbe

Vorelektronische Musik ist reduziert auf die Möglichkeiten des jeweiligen Instruments. Man kann natürlich argumentieren, dass man notenfremde Klänge produzieren kann, wie es etwa in der Neuen Musik, der zeitgenössischen Klassik oder im FreeJazz gelingt, doch sind der Komposition dennoch gewisse physikalische Grenzen gesetzt.

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800px-Oszillator_AnschwingenEinerseits ist es fragwürdig, inwieweit man dort schon alles ausgeschöpft hat, man betrachte nur ein Meisterwerk wie Helmut Lachenmanns Guerro, andererseits ist es unmöglich einem Klavier eine Sinus- oder einem Saxophon eine Rechtseckswelle zu entlocken.

Das erste mir bekannte Auftreten eines Synthesizers, das einen größeren, popkulturellen Kreis erreichte, ist zweifelsohne Oscillations der PsyRock-Gruppe Silver Apples. Ästhetisch wird hier deutlich eine Anleihe gemacht an einen instrumentellen Vorgänger: das Theremin.

Man muss die Freiheiten der Klangfarbe parallel zur Erweiterung der Technologie zeichnen. Mit der Zeit wurden kompliziertere Synthesizer möglich, die es erlaubten, entweder additiv oder substraktiv, die Schallwelle zu modifizieren und seinen Bedürfnissen anzupassen. Man kann das etwa mit der bildenden Kunst vergleichen, in der über die Jahrhunderte nicht nur verschiedene Techniken entstanden, sondern auch neue Farben mischbar waren, die es zuvor nicht gab.

Es gelang also der elektronischen Musik eine völlige Entfesselung der Klangfarbe. Man kann sozusagen seine Schallwelle freihand vorzeichnen. Die neu gewonnene Freiheit bringt natürlich auch gewisse Probleme mit sich: Welche Klänge klingen interessant oder angenehm? Wie kann man welchen Sound einsetzen? Dass elektronische Musik immer noch “elektronisch” klingt, ist stückweise ein Beweis, dass auf diesem Feld noch viel Arbeit getan werden muss.

Die komplette Reihe “Understanding Techno”

 

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Über Fabian Vallon

Seit 4 Jahren in Frankfurt wohnhaft, über den Punk zu Techno gekommen, immer ziellos in der Stadt unterwegs, produziert selbst unter dem alias quantities, Teil des Untergrunds, mag Slavoj Zizek und sammelt alte Spex-Ausgaben.

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