Konzertbericht von Hamburg

Heidenfest 2013 – gottlose Party mit Ensiferum und Co.

Auf die Gottlosen ist halt doch Verlass. Zum fünften Mal tourte das Heidenfest nun schon durch Europa und rastete natürlich auch wieder in Hamburg, wo die Wikingerschiffe der zahlreichen Fans schon im Hafen angelegt hatten und in der Markthalle langsam der Alkohol zu fließen begann.
Vier Bands, ein Abend, nur Viking Metal – hier gibt’s nun noch einmal den saftigen Überblick!

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Sombrero-Krieger von Ensiferum: Sänger Petri Lindroos (Foto: Anne Swallow)

Sombrero-Krieger von Ensiferum: Sänger Petri Lindroos (Foto: Anne Swallow)

Frosttide mussten ihren Auftritt leider spontan aus „tourbustechnischen“ Gründen absagen, da der Abend jedoch auch so anständig lang und durstprovozierend war, schadete dies der Fan-Euphorie kaum. So wurden die deutschen Suidakra gleich herzlich mit einer Wall of Death gefeiert, auch wenn der Platz in der Markthalle dafür gewaltig eng war. Den Partyheiden schien das aber gänzlich wumpe zu sein und als Equilibrium dann zum Tanz baten, brach im Pit die Apokalypse aus.

Schon zuvor waren die Bayern als heimlicher Headliner vermutet worden und dieser Verdacht bestätigte sich prompt, als Sänger Robse und seine Crew mit „Blut im Auge“ loslegten und den Fans nicht einmal mehr Zeit ließen, vorher ihren Merchandise-Stand zu plündern. Denn gerade weil Equilibrium im deutschen Norden konzerttechnisch eher eine Rarität sind, wurde jede Sekunde ihres Sets gefeiert und insbesondere Fans der ersten Scheibe „Turis Fratyr“ rutschten dank “Unter der Eiche” oder der Neuauflegung von “Der Sturm” vor Begeisterung nur noch auf dem Zahnfleisch herum.

Nur den Klassiker „Met“ hätten sie vielleicht unter anderem Namen spielen sollen, da danach alle panisch aus der Halle stürmten auf der Suche nach dem gefeierten Honigwein… Deshalb wurde es für Turisas auch erst ein wenig leer vor der Bühne. Die Herren gingen offenbar alle Einen heben, denn plötzlich bestanden die ersten Reihen nur noch aus (teilweise leicht hysterischen) Mädels.
Kein Wunder. Denn wenn Turisas-Chef Mathias Nygard auf die Bühne tritt, geht – gerechterweise! – das Gesabbere los, dass die Krieger und Wikinger tatsächlich bald ein Boot brauchen. Bei so viel Epik, Lichtshow und Kostümen schwächelte der Sound jedoch ein wenig, die Vocals waren nicht optimal zu hören, was die Band mit wilden Charme und beinah musical-artigen Getanze jedoch recht gut ausgleichen konnte. „Battle Metal“ siegte martialisch, „Stand up and Fight“ erst recht. Besonders Geiger Olli Vänskä war total in seinem Element.

Bei dem Headliner Ensiferum waren die Biertrinker alle wieder eng vor der Bühne versammelt, um den Finnen zu huldigen, auch wenn manche von denen sich doch langsam besser mal ein Hemd anziehen sollten. Doch egal: Sami Hinkkas Versuchen Stimmung zu machen, konnte noch nie ein Einziger widerstehen, da wurde gepogt, gebrüllt und das Trinkhorn geschwungen zu Hymnen wie „Twilight Tavern“ oder “In My Sword I Trust”.
Zum Ende hin uferte das Ganze jedoch ein wenig in die Willkür aus – „The Longest Journey“ raubte zu viel Platz auf der Setlist und unterschlug den Fans Klassiker wie „Token of Time“ und vor allem – dä dä dädäää – „Iron“, das immer wieder lautstark aus dem Publikum gefordert wurde. Stattdessen beendeten Petri Lindroos und Co. ihr Set mit Sombreros und ihrem Cover zu „Bamboleo“, war zwar in der Tat Spaß brachte, aber kein wirklich würdiger Abschlusssong für den Abend ist.
Trotzdem gingen die Heiden verschwitzt und zufrieden nach Hause und badeten erstmal in Bier, denn vier so geniale Band an einem Tag sind doch definitiv ein kleines Koma wert.

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Über Anne-Catherine Swallow

Geboren 1987 in Heidelberg, aufgewachsen in Paris, Diplom Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus aus Hildesheim. Zu haben für alles, was laut, düster und böse ist.

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