Premiere in Kassel

Samson und Dalila als musikalisches Ereignis

Mit der konzertanten Aufführung von Camille Saint-Saëns’ Oper „Samson und Dalila“ ist dem Staatstheater Kassel auch bei seiner zweiten Premiere dieser noch jungen Opernsaison ein großer Wurf geglückt. Und das trotz widriger Umstände: Es gibt in der Regel nichts Gutes anzukündigen, wenn der Intendant vor einer Premiere vor den Vorhang tritt. Dieses Mal berichtete er von den schweren gesundheitlichen Problemen des Dirigenten Yoel Gamzou, der deshalb im Sitzen dirigieren werde.

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Mitglieder des Opernchors und des Extrachors sowie Musiker des Staatsorchesters (Foto: N. Klinger, Quelle: Staatstheater Kassel)

Mitglieder des Opernchors und des Extrachors sowie Musiker des Staatsorchesters (Foto: N. Klinger, Quelle: Staatstheater Kassel)

Das tat seiner musikalischen Leistung indes keinen Abbruch, man könnte sogar fast das Gegenteil vermuten. Gamzou hatte sein Orchester auch im Sitzen voll unter Kontrolle und verstand es, mit ihm präzise und stets richtig dosiert zu musizieren. Zu einem absoluten Höhepunkt geriet dabei das Zwischenspiel im dritten Akt. Es wurde mit so viel Verve, Spielfreude und Spannung zelebriert, dass man nach einer ähnlich guten Interpretation wohl sehr lange suchen müsste.

Ein weiterer Star des Abends war der Opernchor, der seinen Auftritt dem in diesem Jahr verstorbenen Dirigenten Bernhard Lang, einem langjährigen verdienten Kapellmeister des Kasseler Staatstheaters, widmete. Gleich im ersten Akt zogen die atmosphärisch dichten Chöre die Zuhörer in Bann und machten die alttestamentarische Handlung dieser Oper sinnlich erfahrbar.

Im zweiten Akt setzten dies die Solisten fort. Ulrike Schneider gab eine äußerst überzeugende Dalila. Mit ihrem ersten Auftritt wurde ihre Überlegenheit sogleich deutlich und man ahnte schon, dass Samson verloren sein würde. Schneider verstand es mit ihrer intensiven und intelligenten Interpretation, die Figur der Dalila auch ohne szenische Aktion lebendig werden zu lassen. Im Duett mit ihr glänzte auch Johannes An als Samson. Besonders bewegend gelang es ihm im dritten Akt, den gebrochenen Helden Samson als Person aus den Tönen hervortreten zu lassen. Überhaupt liegt die große Stärke Ans besonders in den leisen und traurigen Momenten.

Die durchweg gute Leistung des Kasseler Ensembles wurde von Espen Fegran als Oberpriester des Dagon, Hee Saup Yoon als souveränem Abimélch, Paulo Paolillo als Boten der Philister, Musa Nkuna als erstem und Marc-Olivier Oetterli als zweitem Philister komplettiert. Als Gast überzeugte Krzysztof Borysiewicz mit seinem schönen, sonoren Bass in der Rolle des alten Hebräers.

Die farbenreiche Musik Saint-Saëns’, die gelungene Lichtregie von Brigitta Hüttmann, die intelligent eingesetzten Übertitel und vor allem die intensiven und mitreißenden musikalischen Interpretationen aller Beteiligten sorgten dafür, dass man an diesem gelungenen Abend tatsächlich nichts vermisste und dieses außerordentliche musikalische Ereignis in vollen Zügen genießen konnte. Die nächsten Aufführungen gibt es am 19. und 26. Oktober sowie am 6., 8. und 17. November.

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