Souverän und gut – David Bowies neues Album “The Next Day”

David Bowie hat ein neues Album aufgenommen. Das war nicht unbedingt zu erwarten, liegt doch sein letztes Werk „Reality“ immerhin schon 10 Jahre zurück. Alles schien darauf hinzudeuten, dass Bowie sich nach seiner 2004 erlittenen Herzattacke aus dem Popgeschäft zurückgezogen hatte. Nun erscheint am 8. März mit „The Next Day“, ein gutes, stellenweise sogar sehr gutes Album, das qualitativ deutlich über Bowies anderen Spätwerken liegt.

Obwohl auch „The Next Day“ nicht an Meisterwerke

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wie „Ziggy Stardust“, „Hunky Dory“ oder „Low“ heranreicht (aber welche neuen Alben tun das schon?), gehört es schon jetzt zu den essentiellen Werken Bowies , denn das Pop-Chamäleon scheint das erste Mal bei sich selbst angekommen zu sein.

Er verzichtet darauf, sich wieder einmal neu zu erfinden, sondern präsentiert sich selbstbewusst als das, was er tatsächlich ist: Ein Elder Gentleman of Pop, der auf eine beispiellose Karriere zurückblicken kann. Bowie macht das mit einer guten Portion Selbstironie bereits auf dem Cover deutlich: er zitiert das Cover von „Heroes“, dem Album, dessen Titelsong wohl am meisten mit ihm identifiziert wird, und hat auf sein überklebtes Konterfei den Titel des neuen Albums geschrieben.

David Bowie "The Next Day"

Foto: Columbia Records

Auch die neuen Songs sind voller Anspielungen auf die Vergangenheit. Die erste Single, das melancholische „Where Are We Now?“ klingt stark nach Bowies Berlin-Zeit, die zweite „The Stars (Are Out Tonight)“ erinnert eher an die „Lodger“-Ära.

In fast allen Songs lassen sich solche Reminiszenzen finden – besonders „Scary Monsters“ klingt immer wieder durch. Das ist vermutlich kein Zufall, denn auf „The Next Day“ hat Bowie seit eben „Scary Monsters“ das erste Mal wieder mit seinem langjährigen Haus-Produzenten Tony Visconti zusammen gearbeitet.

Die beiden harmonieren so gut, dass man sich fragt, warum Bowie das nicht schon lange vorher wieder probiert hat. Die Songs auf „The Next Day“ klingen auf beste Art unaufgeregt und so lässig souverän (wie Bowie auf seinen Konzerten Ende der 90er), dass sie auch ohne Wissen um die Selbstzitate so gut funktionieren, dass man beim Hören bewundernd Beifall klatschen möchte.

David Bowie ist also wieder da, nicht besser als je zuvor, aber viel besser als erwartet. Wer sich davon selbst überzeugen möchte: Auf iTunes ist bis zur offiziellen Veröffentlichungstermin das komplette Album als Stream zu hören – kostenfrei.

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Über Christian Siebje

Christian Siebje | Jahrgang 64, aufgewachsen in Hamburg. Lebt und arbeitet als Journalist, Texter, Blogger und Familienvater in Karlsruhe. Musik als Leidenschaft: Bach, Klassik, Electronica, Alternative, Reggae, Soul, Jazz, Pop, Punk & Avantgarde.

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