Individuelle Mixtur aus Hiphop, Dancehall, Hardrock und viel mehr

Kanye West: Yeezus

Für die Tatsache, dass das sechste Album des Chicagoer Hiphop-Künstlers Kanye Omari West, geboren 1977, zwar in den amerikanischen Charts Billboard 200 nach seinem Erscheinen Ende Juni auf Platz 1 kam, die Verkäufe danach aber bald abfielen, gibt es sicher verschiedene Erklärungen. Vermutlich ist es aber der deutlich experimentelle Charakter der 10 Nummern auf Yeezus, dass es einen kurzen “Hype” erlebte, wegen seiner schnellen Stil- und Rhythmuswechsel selbst innerhalb der einzelnen Tracks aber als nicht besonders eingängig empfunden wurde. Jedenfalls: Von einem Meilenstein in der Geschichte des Hiphop kann aber durchaus gesprochen werden:

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Kanye West: Yeezus (Def Jam B00CV5ZPA2)

Kanye West: Yeezus (Def Jam B00CV5ZPA2)

Die Mixtur aus solchen Stilrichtungen wie Dancehall, Industrial Music, Acid House und Chicago Drill ebenso wie Zitate aus älterer Popmusik in den beiden hinteren CD-Nummern Send It Up und Bound 2. Insbesondere letzteres scheint im Hinblick auf den (Zwischen-)Einzug in andere Charts hitverdächtig, denn der Frauenchor im Hintergrund, vor dem sich die Stimme des “Rappers” angenehm unaufdringlich abhebt, erinnert an karibischen Dancehall, wenn nicht durch seine spezifische Intonation gar schwarzamerikanische Popmusik, die eine gelungene Fusion mit dem Hiphop eingeht.

West bekam seine Chance durch einen Auftritt mit dem Rapper Jay-Z auf The Blueprint (2001) und wusste sie seither zu nutzen. Dabei entwickelte der im hohen Register singende Musiker sehr bald einen unverwechselbaren Stil, in den er Barockpop, Trip Hop, Alternative, Synthpop und Klassisches geschickt zu integrieren wusste. Seine Stimme ist wandlungsfähig, verrät aber heute wie zu Beginn des Jahrtausends seinen Ursprung im impulsiv-rhythmischen Sprechgesang des traditionellen Rap, wobei aber Adaptionen aus “echtem” Soul stimmlich immer wieder zum Vorschein kamen. Das 2010 mit großem Erfolg herausgebrachte My Beautiful Dark Twisted Fantasy spielt auf die andere Seite des Hiphop-Künstlers und Filmproduzenten hin: die dunklen, mit dem Industrial Sound und Hardrock verbundenen Klänge, die vor allem im Instrumentarium und durch seine Playbacks einen massiven Hintergrund setzen.

Das Album Yeezus (2013), auf dem Wests Sprech-Gesang besonders in den vorderen Stücken dominiert, hatte seine Vorgeschichte im Wohnzimmer der Loftwohnung eines Pariser Hotels. Paris ist die Stadt, deren Design West schon länger anzieht, der Louvre – dem etliche Besuche in den letzten Jahren galten - ebenso wie die Architektur Le Corbusiers. Vielleicht verrät der vielseitige Künstler und Produzent bei nächster Gelegenheit einmal, wie konkret sich diese Einflüsse auf seine Musik auswirken, das wäre ein interessanter Hinweis für Journalisten wie für die Historiker des Hiphop …

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Über Dr. Hanns-Peter Mederer

Kulturwissenschaftler in Erfurt, Studium der Literaturwissenschaft, Europäischen Ethnologie, Musikwissenschaft und Gräzistik vor allem an der Universität Hamburg, seither tätig im Verlagsgeschäft und in der Publizistik, besondere Interessensgebiete: Reisen und Musik verschiedener Länder.

3 Antworten auf Kanye West: Yeezus

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