Review zur aktuellen Episode

Grey’s Anatomy – S10E05 – I Bet I Stung

Ist es möglich, eine gute Mutter zu sein, wenn man eine gute Chirurgin ist? Meredith Grey stellt sich diese pikante Frage erst, nachdem sie das Kind geworfen hat. Die Anatomie ihres Charakters beschränkt sich nämlich auf Größenwahn und Egoismus. Eigentlich eine durch und durch hassenswerte Figur, die ein cosmopolitan life zwischen Krankhaus und Eigentumswohnung führt. Ihr zur Seite steht McDreamy, der immerwährende Saubermann ihrer feuchten Träume.

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Gottkomplex: Meredith Grey; Quelle: American-Broadcasting-Companies-Inc.jpg

Die triste Komplettmischung brodelt, wie letzte Woche schon angemerkt, mittlerweile nur noch auf Sparflamme. Da inzwischen alle etablierten Darsteller einmal durchgebummst sind und sich hinreichend in fadenscheinigen Beziehungen ausprobiert haben, ist es an der Zeit für etwas Neues. Und auch wieder nicht. Der Plot jongliert an verschiedenen Fronten mit dem Thema Abhängigkeit und Eigenverantwortung und schickt sich an, längst überfällige Entscheidungsfindungen in die Serienwelt zu transformieren.

Meredith Grey gerät in den tragenden Konflikt zwischen der Liebe zu ihrem Beruf und der (lediglich behaupteten) Liebe zu ihren Kindern. Sie möchte beides: Eine gute Chirurgin und Mutter sein, platzt dabei aber vor Ego. Die Hauptfigur ist im Prinzip Abziehbild der perfekten Anti-Mutter und kaum mehr eine Frau im klassischen Sinne. Ihre logischen Schlüsse sind herzlos, sie nimmt mehr als dass sie gibt, darüber hinaus ist sie stolz, eitel und selbstmitleidig – ein ätzender Mensch. Und trotzdem will Grey’s Anatomie beim Zuschauer Sympathie für diese (fiktive) Person erzeugen. Warum?

Derartige Oberflächlichkeit ist nahezu gefährlich in einer medial kontrollierten Welt des Geld- und Schönheitsfanatismus. Meredith Grey, MD. lebt ihre Verantwortungslosigkeit völlig ungestraft aus. Ihre Kinder sind bloß Teil ihres Barbielebens, nette Haustiere. Grey’s Anatomie ist gefeierte und hochstilisierte Ichsucht. In I Bet I Stung gibt es diesbezüglich zwar ein, zwei reflexive Momente, aber der unfassbar dämliche Nebenplot um den Kerl, der seinen Penis in ein Hornissennest steckt, weil er’s geil findet, bekommt den Löwenanteil der Aufmerksamkeit. Der (Meta-)Tenor lautet hier: Du bist liebenswert, ganz gleich, welchen sexuellen Vorlieben du nachgehst.

Nun, das ist absurd, denn unkontrollierte Sexualität ist das Fundament der kompletten Lügen-, Geheimnis- und Schmerzgebäude der Drehbuchschreiber. In deren Hochglanzwelt geht es nicht um emotionale Tiefe, sondern physische. Der dickste Schwanz bekommte die meiste Screentime; R.I.P., McCreamy.

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Über Bowls Götzke

Bowls Götzke | Musiker, Schreiber, No-Budged-Filmemacher, Manager, Künstler, Motto: .sTyle ist nicht alles, aber ein Tyle davon.

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