Das Methörnchen

Heavy Metal in der Schützenhalle

Ich stapfe durch eine kleine Ortschaft, es ist dunkel, Straßenlaternen flimmern ein wenig vor sich hin. Es die Zeit des Winters, in der sich der Schnee dick auf die eben noch gefallenen Blätter legt. Zielsicher steuere ich eine Schützenhalle an. Vor ihr stehen drei kurze, breite Türsteher. Sie sind sehr kantig, tragen Ohrringe, lange, drahtige, angegraute Bärte und kugelige Glatzen. Ihre Körper wirken als hätte man ein Rechteck genommen und die Ecken sorgsam abgepfeilt. Ich hole einmal Luft. Will ich da wirklich hinein?

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Foto: Markus Lauert

Foto: Markus Lauert

Ich denke an die Dorfdisco, die sonst in der Schützenhalle stattfindet, denke an die Hintereingänge, durch die die Vierzehnjährigen hinein geschlüpft sind und daran, dass ich das letzte Mal von einem Fitness-Typen um zehn nach 12 aus der Halle geführt wurde. Die Security-Männer konnte ich umgehen, einen Schönling, der seine Freundin durch Verantwortungsbewusstsein beeindrucken wollte, nicht. Bei der Party fühlte ich mich furchtbar minderjährig und fürchterlich fehl am Platz und daran erinnere ich mich jetzt, an dieses Gefühl, dass man ganz woanders hingehört. Ich gebe mir einen Ruck und setze mich in Bewegung, gehe auf den Eingang zu, werde freundlich begrüßt und stehe dann in einer fast leeren Halle.

Die Musik beginnt, sie wummert und peitscht, an Gehörschutz habe ich natürlich nicht gedacht. Ich nicke zum Takt der Musik, sitze am Hallenrand, mustere ab und zu die erste Reihe – es ist die einzige – und fühle mich gut. Diese Macht, diese Kraft, diese Gitarren, das monströse Schlagzeug und ein Sänger, der in das Mikro brüllt, als sei er ein Bär. Das macht alles einen großen Eindruck auf mich, lässt mich abschalten und all die monströsen und winzigen Probleme vergessen, die man als pubertäres Wesen mit sich schleppt. Irgendwann stehe ich auf, traue mich ein Stück weiter nach vorne – bloß nicht zu weit, man könnte mich ja sehen und darüber lästern – hebe die Pommesgabel, werfe wie der Sänger den Kopf wild umher und vergesse so ziemlich alles außer der Musik und meinen Bewegungen dazu.

Nach dem Auftritt kaufe ich brav die Demo-CD, die ich in der Nacht noch mindestens ein dutzend Mal anhören werde, und gehe Richtung Ausgang, denn für mich gilt das Jugendschutzgesetz. Es ist fast 0 Uhr, ich werde vor der Tür abgeholt. Die Türsteher rufen mir noch freundlich nach, dass ich nächstes Jahr ja länger bleiben könne. Doch es gab in dem kleinen Dorf keine Veranstaltung mehr dieser Art. Die Metaller der Nachbarortschaften konnten nicht kommen, weil sie eingeschneit waren. Die Straßen wurden nicht geräumt und sie saßen den Abend lang fest. Dennoch hatte ich Blut geleckt, eisenhaltiges Blut und es sollte nicht lange dauern, bis ich zum nächsten Konzert pilgerte.

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Über Markus Lauert

Westfälischer Lehramtsstudent, der neben seinem Studium journalistische Erfahrungen sammelt. Aus dem Metal-Bereich kommend, unternimmt er immer wieder Reisen in fremde Musik-Genres. Wohl fühlt er sich ebenfalls mit Postrock, Folk und Filmmusik.

Eine Antwort auf Heavy Metal in der Schützenhalle

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