“In meiner Mitte” – Annett Louisan und die Elbe

Die Elbe ist ihr Ding. Und das Singen. Vor zwei Jahren legte Annett Louisan, geboren 1977 in Havelberg an der Elbmündung, ihr fünftes Studioalbum vor: „In meiner Mitte“. Viele Fans konnten nicht so recht etwas anfangen mit ihrem neuen Stil.

Denn durchaus neu wurde er empfunden nach dem Weggang ihres langjährigen musikalischen Partners Frank Ramond, der 2004 schon Louisans erstes Album „Bohème“ produziert hatte. Die Verkaufszahlen des Albums konnten nicht ganz an die der ersten vier CDs anknüpfen. Zumindest bislang nicht.

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Annett Louisan. Foto: Jim Rakete/Quelle: annettlouisan.de

Annett Louisan. Foto: Jim Rakete/Quelle: annettlouisan.de

Annett Päge, so Louisans Geburtsname, zog 1989 mit ihrer Mutter von Schönhausen an der Elbe – wenige Kilometer südlich von Havelberg – im heutigen Sachsen-Anhalt flussabwärts nach Hamburg. Zwölf Jahre war sie damals alt, Schönhausen lag noch im Bezirk Magdeburg in der DDR und was heute vielleicht nach einem normalen Umzug klingt, war damals noch eine Übersiedlung von Ost nach West.

Im Titelsong „In meiner Mitte“ scheint diese Zeit auf, wenn die Mittdreißigerin mit kristallklarer, fast mädchenhafter Stimme von ihren „Elbbrücken-Ausflügen“ in diesen ersten Monaten und Jahren in Hamburg singt. Die Elbe, das muss seinerzeit wie ein roter Faden für Annett gewesen sein, denn wie Schönhausen lag auch die neue Heimat an diesem Strom. Wer Lieder wie dieses hört, versteht nicht, warum einige ihrer Fans am Album von 2011 den Wortwitz vermissen.

Louisan, die mit einer kurzen Unterbrechung bis heute in Hamburg lebt, befasst sich in ihrem fünften Album aber nicht nur mit der Vergangenheit. Schon das zweite Lied „Verschwinde“ ist ein Stück, das sich mit den eher profanen Dingen des Beziehungslebens beschäftigt. Durchaus etwas frech kommt es daher, schließlich singt sie „Verschwinde“ in der Befehlsform, dem Imperativ. Die meisten Songs auf „In meiner Mitte“ stammen aus der Feder von Danny Dziuk, der unter anderem auch bereits mit Stefan Stoppok, Wiglaf Droste und Ulla Meinecke zusammengearbeitet hat. Was ja nicht die schlechtesten Referenzen sind.

Annett Louisan: In meiner Mitte. (Sony Music 2011/Quelle: www.annettlouisan.de)

Louisan ist nicht Stoppok, Meinecke oder gar Droste. Natürlich nicht. Und genau deshalb empfiehlt es sich, „In meiner Mitte“ ganz frei von Erwartungen und unvoreingenommen zu hören. Dann erst fällt die Vielfalt der CD auf. Zum Beispiel das Stück „Pärchenallergie“, das geradezu antimelodiös den Spielverderber gibt – offenbar gab es im Umfeld der Interpretin zeitweise allzu viele und allzu harmonische Pärchen. Hier schwimmt Annett Louisan gegen den Strom. Man hört das Genervtsein förmlich heraus. Möglicherweise verarbeitet sie mit Stücken wie diesem ihre Scheidung von Gazi Isikatli nach vierjähriger Ehe 2008. Oder ihre Trennung von dem kanadischen Songwriter Martin Gallop im Jahr 2010, mit dem sie etwa zwei Jahre in Berlin gelebt hatte.

Dann gibt es auf dem Album aber auch wieder einfühlsame, fast träumerische Lieder wie „Würdest Du“ oder „Schlaf“. Oder aber – wieder vollkommen anders – die ironische Abrechnung mit jungen Männern, Typ „von Beruf Sohn“, in „Auf der Jagd nach Mr. Big“. Auch die melancholische Seite der Sängerin kommt nicht zu kurz. Das beweisen Stücke wie das bluesige „Zweite Chance“ oder „Von der Liebe“ und „Vorsicht! Zerbrechlich“, die das Album gefühlvoll abschließen.

Übrigens – Annett Louisan ist ein Künstlername. Louisan ist eine Ableitung des Vornamens ihrer Großmutter Louise, bei der Annett bis 1989 in Schönhausen an der Elbe lebte. Dieser Strom scheint die Sängerin nicht loszulassen.

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Über Frank Behrens

Frank Behrens arbeitet als freier Journalist in der Nähe von Hamburg. Noten kann er keine lesen, aber Musik hören. Am liebsten Rock und Blues.

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