Wir werden rausgehen, eure Welt erobern

Gerard – ‘Blausicht’

Galt der junge Rapper in Deutschland vor einigen Jahren noch als Geheimtipp, wird sich das nun sehr wahrscheinlich ändern. Sein Ende September erschienenes, drittes Soloalbum ‘Blausicht’, erntete durchweg positive Kritiken – zu Recht, wie man feststellen darf.

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 (Heart Working Class/Groove Attack)

‘Blausicht’ ist seit dem 20. September im Handel.
(Heart Working Class/Groove Attack)

Die neue Platte des sympathischen Österreichers, der schon mit Prinz Pi auf Tour war, schoss Anfang des Monats auf Platz 27 der Deutschen Albumcharts und landete in seinem Heimatland sogar fast in den Top Ten.

Eigentlich kein Wunder, denn als Produzenten haben nicht nur NVIE Motho und Fid Mella mitgewirkt, sondern auch Gerards alter Kumpel DJ Stickle, in dessen Beatlefield Studio, ‘Die Krabbe’, das neue Album entstand.

Neben Bushidos Ersguterjunge, denkt der Kenner jetzt vielleicht auch an Caspers Platte ‘XOXO’, die in Zusammenarbeit mit Stickle, ebenfalls in diesen Räumlichkeiten produziert wurde.

Zugegeben, der Kaoss Pad-Stil des Mittzwanzigers, klingt wie eine Mischung Caspers mit prägnanten Einflüssen alla The Streets, wie im Track ‘Manchmal’, dessen Sound stark an den des britischen Rappers, Mike Skinner, erinnert.

Der Albumtitel ist eine Mischung aus dem Ausdruck ‘ins Blaue’ und dem Wort ‘Aussicht’ auf die Zukunft. In melancholisch-nachdenklichen Texten erzählt der Österreicher vom Alltag und vermeintlicher Perspektivlosigkeit, urbaner Isolation und zwischenmenschlicher Kälte, Zweifel an Gerechtigkeit und dem Sinn des Lebens an sich.

“Vielleicht ist die Welt ja doch genug. Steht das Wasser bis zum Hals, dann hoff’ ich auf ein Loch im Pool”, heißt es im Titel ‘Alles jetzt’, der das Hier und Jetzt feiert. Es geht um Neugestaltung, Sozialkritik und die Hoffnung, Dinge verändern zu können, etwa im Song ‘Wie neu’ oder in ‘Welt erobern/Behalten’ mit den Zeilen: “Wir werden rausgehen, eure Welt erobern”.

Es ist ein sehr persönliches Album, welches Gerald Hoffmann, wie der Musiker mit bürgerlichem Namen heißt, zum großen Durchbruch verhelfen könnte.

Anstatt die Trostlosigkeit einer Generation, die bei all den gebotenen Möglichkeiten nicht mehr weiß was sie will, zu besingen, vermittelt der junge Künstler positive Aufbruchstimmung: “Die Wand einreißen, statt dagegen fahren”, heißt es in ‘Zünd den Regen an’.

Generell ist die Platte eine Ansage mit zuversichtlichem Ausblick. Die Identifikationssuche des Rap-Poeten führt nämlich meist nicht ins Ungewisse, ins ‘Nichts’ – wie der finale Songtitel implizieren könnte –, sondern gibt stattdessen optimistische Aus- und Einsichten.

Wer jetzt Lust bekommen hat, den jungen Rapper mal live zu erleben, ab November ist Gerard auf Tour.

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Über Emilia Gallas

Musikliebhaberin, Literaturwissenschaftlerin, freiberufliche Journalistin und Musikredakteurin aus Bremen. Elektronische Sounds sind ihr willkommen, alle anderen aber auch.

Eine Antwort auf Gerard – ‘Blausicht’

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