Musikalisches Kalenderblatt

Paganinis Gegenspieler – zum Todestag von Louis Spohr

Heute, am 22. Oktober, vor 154 Jahren starb in Kassel der Komponist, Dirigent, Violinvirtuose und Pädagoge Louis Spohr. Seine eminente Bedeutung für die Entwicklung der europäischen Musik im 19. Jahrhundert ist vielen heute kaum noch bewusst, doch in den 1830er Jahren galt er als der größte lebende Komponist. Tatsächlich war er entscheidend an der Entwicklung der deutschen romantischen Oper beteiligt und seine Sinfonien können als wichtigster Beitrag zur Gattung zwischen Beethoven und Brahms gelten.

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Spohr-Denkmal von Carl Ferdinand Hartzer in Kassel (Foto: Daniella Diefenbach, Kassel)

Spohr-Denkmal von Carl Ferdinand Hartzer in Kassel (Foto: Daniella Diefenbach, Kassel)

Am Anfang seiner Karriere war der 1784 in Braunschweig geborene Musiker jedoch vor allem als Geiger bekannt und gefeiert, ja er war neben Paganini der bedeutendste Geiger seiner Zeit. Allerdings hatte er ein völlig anderes musikalisches Konzept als sein italienischer Kollege. Daher wurde er in der zeitgenössischen Rezeption oft quasi zum „Engelsgeiger“ und Gegenpart des „Teufelsgeigers“ Paganini stilisiert.

Im Jahr 1816 begegneten sich die beiden Ausnahmemusiker in Italien auch persönlich. Paganini hatte Spohrs Konzert in Venedig gehört und besuchte ihn daraufhin, um ihn zu beglückwünschen. Die Bitte, dem deutschen Musiker auch etwas vorzuspielen, lehnte er jedoch mit der Begründung ab, sein Stil ziele darauf ab, die Massen zu beeindrucken. Auf ein intimes, kammermusikalisches Vorspiel sei er nicht vorbereitet.

Die unterschiedliche Persönlichkeit der beiden Musiker spiegelt sich natürlich auch in ihren Kompositionen. Einen sehr schönen Eindruck davon kann man auf der CD mit Paganinis Violinkonzert Nr. 1 in D-Dur, op. 6 und Louis Spohrs Violinkonzert „In Form einer Gesangsszene“ (Nr. 8 in a-Moll, op. 47) gewinnen, die die großartige Hilary Hahn mit dem Swedish Radio Symphony Orchestra unter Eiji Oue für die Deutsche Grammophon eingespielt hat.

Später trat die Rolle Spohrs als Violinvirtuose zugunsten seines Wirkens als Dirigent zurück. Auch hier leistete er Bedeutendes. So war er z.B. einer der Ersten, die mit dem Taktstock dirigierten. Jede dieser Tätigkeiten allein würde Spohr schon einen würdigen Platz in der Musikgeschichte sichern. Doch er wirkte darüber hinaus auch noch als richtungweisender Pädagoge, der seine über 200 Schülerinnen und Schüler im Sinne einer modernen ganzheitlichen Erziehung ausbildete. Viele von ihnen erlangten ihrerseits enorme Bedeutung für das internationale Musikleben. So wurde z.B. Fredrik Pacius zum Komponisten der ersten finnischen Oper und der finnischen Nationalhymne, Peter Emilius Hartmann trieb die dänische Musikkultur voran und Ureli Corelli Hill gründete 1842 die New Yorker Philharmoniker.

Es gibt also mehr als genug Gründe, sich heute an die faszinierende Musikerpersönlichkeit Louis Spohr zu erinnern. Der Hauptgrund ist aber seine wunderbare Musik, die in letzter Zeit wieder verstärkt Beachtung findet.

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