Zurück in die Stahlfabrik

Die Krupps: “The Machinists Of Joy”

Wie auch Kraftwerk stammen Die Krupps aus Düsseldorf. Doch während die Kling-Klang-Männer einen mondänen, unterkühlten Elektro-Pop der Zukunft produzierten, war die Gruppe um Frontmann Jürgen Engler ganz anders unterwegs: Ihr Sound besaß realitätsbezogenen Lokalkolorit, inspiriert von den Stahlhütten des Ruhrpotts. Mit “The Machinists Of Joy” gehen die Jungs genau da wieder zurück: zur wahren Arbeit und zum wahrem Lohn.

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Im Zeichen der drei Ringe: "The Machinists Of Joy" von den Krupps (Quelle: Synthetic Symphony)

Im Zeichen der Ringe: “The Machinists Of Joy” von den Krupps
(Quelle: Synthetic Symphony)

Es mussten mehr als 15 Jahre vergehen, bis der mittlerweile in Amerika lebende Jürgen Engler seine deutschen Stahlwurzeln wiederfand. Als 1997 das letzte offizielle Album “Paradise Now” auf dem Markt kam, waren Die Krupps eine amtliche Metal-Band mit elektronischem Einschlag. Danach verlor sich der kreative Kopf in zweifelhaften Projekten wie DKay.com, die dementsprechend kaum Beachtung fanden.

Nach einigem Vorgeplänkel ist also “The Machinists Of Joy” da. Vorzuwerfen wäre dem neuen Album nur, dass es das Krupps-Erbe verwaltet und sich in klischeehaften Sounds und Texten ergeht. Aber selbst diese Kritik ist schwer aufrecht zu erhalten. Denn obwohl die meisten Songs wie “Im Schatten der Ringe” oder “Schmutzfabrik” wie ein Musik gewordener Band-Franchise klingen, muss im gleichen Atemzug zugegeben werden, dass die Krupps sich selbst aus humoriger Distanz betrachten. Oder anders gesagt: Die Krupps haben noch nie so sehr nach Krupps geklungen wie auf diesem Werk.

Genau betrachtet wurde in kaum einem anderen Album das Stahlthema derart stringent durchgezogen wie auf “The Machinists Of Joy”, am ehesten noch beim Album “One” von 1991. Engler und sein “partner in crime” Ralf Dörper haben eisenharten Beats und blubbernden Sequenzen genügend Platz eingeräumt, während die Schrammel-Gitarren ihr Dasein nur noch Abseits vom Geschehen fristen.

“The Machinists Of Joy” ist ein sehr “deutsches” Album geworden, das mit den Bonus-Songs in der limitierten Version einerseits auf die Problematik mit der rechten Szene aufmerksam macht (“Nazis auf Speed”), andererseits mit der Coverversion von S.Y.P.H.s “Industriemädchen” noch einmal zurückblickt, als Jürgen und seine Mitstreiter zu einer Suppe neuer, unverbrauchter Musiker gehörten, die später mal das machen würden, was unter dem Begriff “Neue Deutsche Welle” einen zweifelhaften Ruf bekommen würde.

VÖ: 25.10.2013 (Synthetic Symphony/SPV)

Hier das Video zur Vorabsingle “Risikofaktor”

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

Eine Antwort auf Die Krupps: “The Machinists Of Joy”

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