Ein Goth-Rocker greift zum Synthesizer

Solar Fake: “Reasons To Kill”

Anfangs war da Skepsis. Denn Sven Friedrich ist als melancholisch-sonorer Sänger von Zeraphine und (früher noch) Dreadful Shadows bekannt – zwei amtlichen Goth-Rock-Bands. Mit Solar Fake setzte der Musiker sich alsdann an die Rechner und Keyboards. Elektronisch sollte es werden. Musste das sein? Man kennt das ja: Übereifrige Künstler verspüren den Drang, sich auch in anderen Metiers auszutoben, nur um dann lang auf die Fresse zu schlagen, weil sich keiner für die Sachen abseits der Kernkompetenz interessiert. “Reasons To Kill” zeigt aber deutlich: Sven beherrscht die Maschinen, nicht sie ihn.

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Elektronisch-melancholisch: Solar Fakes drittes Album "Reasons To Kill" (Quelle: Synthetic Symphony)

Elektronisch-melancholisch: Solar Fakes drittes Album “Reasons To Kill”
(Quelle: Synthetic Symphony)

Das erste Album “Broken Grid” (2008) war annehmbar, das zweite, namentlich “Frontiers” drei Jahre später überraschte durch ungewohnte Freiheiten im Umgang mit den Sounds. Und nun ist da “Reasons To Kill”, das zwar nicht den Olymp schwarzelektronischer Klangkunst erobern will, aber durchaus solide seine Meinung vertritt.

Dabei zeigt sich Sven Friedrich wandelbar, umschmeichelt den Hörer mal sanft wie bei “Rise And Fall”, mimt aber wie in “My Bleeding Heart” auch den “tough guy”, der mit verzerrter Stimme seinen Schmerz rauskotzt (kurzes Dubstep-Intermezzo inklusive).

Diese Wandelbarkeit belegt einmal mehr, dass Sven Friedrich ein Musiker ist, der die Stimmungen eines Songs genau auszuloten weiß. Und er ist ein alter Hase, dem bewusst ist, wie ein Song klingen muss, damit er gehört wird.

Das bedeutet aber nicht, dass “Reasons To Kill” routiniert und blutleer klingt. Im Gegenteil: von anschmiegsamen, traurig-schönen Elekro-Sounds über treibende Trance-Flächen bis hin zu aggressiven, schmutzigen Sounds, die fast schon an Industrial-Rock erinnern (Wenngleich keine Gitarre zu hören ist), übt sich Friedrich in größter Vielfalt.

Fans vom Future-Pop im Stil von VNV Nation werden sich ebenso mit dem Seitenprojekt des Zeraphine-Sängers anfreunden können wie auch Verfechter der härteren Gangart – beispielsweise :Wumpscut: oder Funker Vogt. Und mollschwangere Melodien machen sich gerade im Herbst besonders schön.

VÖ: 25.10.2013 (Synthetic Symphony/SPV)

Außerdem ist Solar Fake auch eine respektable Cover-Band. Einer ihrer besten Interpretationen: “Such A Shame” von Talk Talk

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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