Gegen das Vergessen

Esther Bejarano rappt gegen Rechts

Sie ist 88 Jahre alt und ihre Botschaft lautet: „Ein klares Nein gegen Rechts!“ Damit will Esther Bejarano vor allem junge Menschen erreichen – und überzeugen. Deshalb rappt sie gemeinsam mit der Band Microphone Mafia – „Die einzige Mafia, die die Welt braucht“ (Microphone Mafia). Die Kölner Jungs spielen seit 1989 zusammen und gehören zu den ältesten aktiven Hiphop-Acts in Deutschland.

Esther Bejarano ist Jüdin. Als Tochter eines Oberkantors verschiedener jüdischer Gemeinden wurde sie 1941 im Zwangsarbeitslager Neuendorf bei Fürstenwalde/Spree interniert.

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Rappt gegen Rechts: Esther Bejerano. Quelle:ajz-dessau.de

Rappt gegen Rechts: Esther Bejarano. Quelle:ajz-dessau.de

Am 20. April 1943 deportierten die Nazis sie mit anderen Insassen des Arbeitslagers und weiteren über 1000 jüdischen Menschen nach Auschwitz. Als Mitglied im „Mädchenorchester von Auschwitz“ rekrutiert, musste sie den dort ankommenden Häftlingen zu deren Gang in die Gaskammern mit dem Akkordeon aufspielen. Damit konnte sie letztendlich ihr Leben retten, aber der psychische Druck und die seelische Zerrissenheit verfolgen sie bis in die Gegenwart. „Diese Bilder und Erinnerungen werde ich nicht mehr los“, sagt sie.
Gemeinsam mit Kutlu und Pennino, den Jungs von Microphone Mafia, kleidet sie ihre Botschaft in Rhythmus und Gesang. „Klezmer-Pop, orientalische Klänge, Hip Hop und Kölsche Mundart betten die “Tränen wie Blut” in einen globalen Kontext und sind ein Manifest für den antifaschistischen Kampf, aber auch ein Tondokument wider das Vergessen. Die Verständigung der Generationen schafft eine ganz wichtige Perspektive, das Leid zu bewältigen und das Leben wert zu schätzen,“ heißt es auf der homepage der Band, deren Mitglieder übrigens muslimisch, christlich und jüdisch sind.

Esther Bejarano lebt heute in Hamburg. Nach dem Krieg ging sie nach Palästina, um Musik zu studieren. Erst in den 70-er Jahren kehrte sie mit ihrem Mann und ihren Kindern nach Deutschland zurück. Sie trat in den VVN-BdA ein und gehörte zu den Gründern des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik, dessen Vorsitzende sie ist. Für ihr politisches Engagement und ihre Aktivitäten „Gegen das Vergessen“ erhielt sie 2008 das Bundesverdienstkreuz. Jetzt hat sie ihr Leben aufgeschrieben: „Erinnerungen“, erschienen im Laika Verlag, 21,- Euro.

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