"Die eigene Verrücktheit perfektionieren"

Talking to … Cäthe – im Gespräch mit der feinfühligen Powerfrau

Sie hat die Gabe Worte zu finden, die ihre Songs fast schmerzlich nachvollziehbar machen. Cäthe ist eine der authentischsten Sängerinnen und Songschreiberinnen die Deutschland derzeit zu bieten hat. Am Freitag fand im Kulturzentrum Lagerhaus der Auftakt ihrer zweiten Tour “Verschollenes Tier” statt – ein Konzert bei dem gerockt, gefeiert und gerührt wurde. Im Gespräch mit amusio sprach Cäthe darüber was das Leben als Musikerin für sie bedeutet, wer ihr eine Muse ist und warum sie sich im Zweifelsfall gegen den ganz großen Erfolg entscheiden würde.

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Am 25.10. hat die Musikerin Cäthe ihre Tour "Verschollenes Tier" im Kulturzentrum Lagerhaus gestartet. (Foto: Mela)

Am 25.10. fand im Kulturzentrum Lagerhaus der Auftakt der Tour “Verschollenes Tier” von Cäthe statt. (Foto: Mela)

Cäthe, wie geht es deiner Mama? In Biografien oder Artikeln liest man immer wieder “Tochter eines Schmiedes”, bei so einer Frau und Künstlerin wie dir, muss es aber doch auch einen starken femininen Part in deinem Leben geben, der dich beeinflusst hat?

(lächelt) Ja das stimmt. Meine Mutter ist Altenpflegerin, sie ist eine sehr soziale Frau. Eine spritzige, frisch gebliebene Frau. Ich kann mit ihr gut lachen.
Sie hat mich nie aufgehalten, wenn ich Träume hatte. Aber sie hat auch immer zu mir gesagt überleg es dir zwei Mal. Wenn du es alleine nicht packst, dann solltest du vielleicht noch einmal darüber nachdenken.

Ich glaube, dass man jeden Weg, den man sich erträumt, stückweise auch alleine gehen muss. Du wirst dich oftmals alleine fühlen in deinen Wünschen und Vorstellungen und wenn das zuviel ist sollte es vielleicht doch ein anderer Weg sein.

Zum ersten mal hab ich dich bei der Sendung “Konspirative Küchen Konzerte” gesehen, damals hattest du ein blaues Mülltütenkleid an. Inwiefern hast du dich verändert von dem Zeitpunkt an – hast du das Gefühl damals warst du punkiger, rotziger?

Die Suche war eine andere, die Zeit war eine andere. Ich hatte an diesem Abend einfach Bock drauf. Ich wusste noch nicht genau wie es auszusehen hat, wenn ich auf die Bühne gehe. Ich habe aber irgendwann gemerkt, dass ich mich genau in dem Outfit, welches ich auch privat trage am wohlsten fühle und auch am meisten bei mir bleibe und meine Lieder performen kann. Ein bisschen lässig, ein bisschen schick, so eine Mischung halt.

Wie erlebst du dein Dasein als Musikerin? Hast du mit vielen gemeinen Menschen und kalten Businesstypen zu tun, ist es anstrengend?

Ich sorge dafür, dass ich nicht mit gemeinen Menschen zu tun habe. Das ist eines der wichtigen Themen für mich und auch der Grund dafür, warum ich lange gezögert habe mich auf dieses Business einzulassen. Ich hatte immer die Vorstellung: das sind alles Haie, die saugen mich nur aus. Ich muss meine Musik beschützen, das ist mein Traum. Aber ich habe wirklich ein ganz tolles Team, die stehen total hinter mir und dafür bin ich ganz dankbar.

Stell dir vor dir würde ein ganz großer Deal angeboten werden, du würdest die Chance haben ein internationaler Musik-Star zu werden. Würdest du dann, wie in deinem Song “Tiger Lilly” auf die “Hollywood-Frage” antworten: “Ich mach lieber Yoga auf einem Hügel” – oder würdest du `ja´ zu Ruhm und Geld sagen?

(lächelt) Um Geld geht es prinzipiell nicht. Klar wollen wir alle über die Runden kommen, klar möchte ich lieber 20€ mehr im Portemonnaie haben als 20€ weniger, aber das ist es nicht wert. Ich könnte nicht mehr beruhigt schlafen. Dafür habe ich einfach zu lange dieses `Cäthe Universum´ aufgebaut.
Ich will Musik machen, Lieder schrieben , touren, das will ich. Mal gucken wie es weiter geht. Wenn es mich ernährt ist es super.

An wen richtet sich “Senorita”, im Song geht es um deine Schwester, aber wie ich gelesen haben hast du gar keine Schwester?

Tatsächlich meine ich damit mein Spiegelbild. Ich habe mich selbst, als meine `Schwester´ gepackt und hab mir gesagt jetzt kommst du mal in die Puschen, jetzt mal ab.
Es gibt ja auch immer Zeiten in denen ist Flaute, es passiert nicht viel und auch emotional ist man irgendwie down. Also muss man sich selber aus dem Dreck ziehen. Sei es wegen der Liebe, dass man verletzt worden ist oder jemanden anderen verletzt hat.

Vom 25.10.- 28.11. ist Cäthe auf Tour. Insgesamt ist die Musikerin live in 28 Städten zu hören und zu sehen. (Foto: Mela)

Vom 25.10.- 28.11. ist Cäthe auf Tour. Insgesamt ist die Musikerin live in 28 Städten zu hören und zu sehen. (Foto: Mela)

Du schreibst wunderbare Texte. Hast du eine Muse und wenn ja wer oder was ist diese?

Musen zu haben ist wichtig. Eine Muse ist meistens tatsächlich ein anderer Mensch, der mir Einblicke gewährt. Eine freundschaftliche Basis oder ein ganz heißer Flirt. Wenn man in kürzester Zeit ganz viel von einander erfährt. Ob das jetzt so gewollt ist oder nicht. Manchmal prallen Menschen aufeinander und es macht einfach `Bäm´ und du hast so einen Einblick und Zugang. Aber genauso schnell wie es kommt ist es auch wieder vorbei. Diese Begegnungen sind auf jeden Fall sehr inspirierend.

Wann hast du angefangen eigene Texte zu verfassen?

Ich wollte immer gerne schreiben können – ich fand das immer toll. In der Schule war es tatsächlich so, dass die Lehrerin immer nicht genau durchgeblickt hat, was ich eigentlich sagen möchte. Meine Texte waren wohl sehr metaphorisch, es gab keinen Anfang und kein Ende. Ich habe nie besonders gute Noten bekommen.
Ich habe viel Tagebuch geschrieben. Ich glaube so mit 19 oder 20 hat es erst angefangen, dass ich dachte ich möchte auch in Deutsch singen. Ich habe mich ans Klavier gesetzt und probiert und es war eine Katastrophe. So fängt es eben an, dass ist das worum es letztendlich geht – sich selbst auszudrücken. Nicht irgendwie etwas nachzuahmen. Die eigene Verrücktheit perfektionieren.

Cäthe, was wärst du geworden, wenn es mit der Musik nicht geklappt hätte? Du hast begonnen Kunst und Design zu studieren. Wärst du Designerin geworden?

Ich hab mich beworben und wurde an der Schule angenommen. Ich wollte aber eigentlich immer Musik machen, wusste nur nicht wie. Dann bin ich nach Dinkelsbühl gegangen und war dort auf einer Fachhochschule für Musik und Gesangsausbildung. Seit dem war es dann für mich klar. Nach der Musik kommt ganz lang erst mal gar nichts. Ich habe aber natürlich auch ganz viele andere Hobbys, bspw. male ich und habe das Booklet für das aktuelle Album “Verschollenes Tier” entwickelt.

Letzte Frage: Konzertauftakt ist in Bremen, etliche Konzerte liegen im Oktober und November vor dir. Ist so eine Tour ein persönliches Highlight für dich oder ist es eher eine Notwendigkeit.

(lächelt) Eine Tour zu machen ist die Krone.
Wenn du eine Prinzessin bist, ist die Tour deine Krone!

Das Gespräch führte Mela Scheider

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Über Mela Scheider

Geboren bin ich 1987 in Berlin, somit habe ich Teile meines Lebens in B-Town verbracht, andere Teile wiederum in Bremerhaven. In Berlin habe ich Journalismus studiert und habe im Bereich TV, Radio und Print gearbeitet.

Eine Antwort auf Talking to … Cäthe – im Gespräch mit der feinfühligen Powerfrau

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