Reminiszenz an eine Punkrockgöre

Außen hui, innen hui – Der Drahtseilakt „Avril Lavigne“

Dass Avril Lavignes brandneue Platte ebenfalls „Avril Lavigne“ heißt, passt, denn nach dem Hin und Her zwischen Punkrock- und Popprinzessin hat die Kanadierin mit ihrem fünften Studioalbum endlich ihr musikalisches Selbst gefunden. Und wenn sich jemand seiner Sache sicher ist, dann kommt meist auch etwas Großartiges dabei heraus: „Avril Lavigne“ ist ein Poprock-Hörgenuss vom Feinsten, der durch die melodische Experimentierfreudigkeit seiner 29-jährigen Schöpferin nie langweilig wird.

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Avril Lavignes fünftes Studioalbum ist am 1. November 2013 erschienen / Foto: Sony Music

Avril Lavignes fünftes Studioalbum ist am 1. November 2013 erschienen / Foto: Sony Music

Seit ihrem ersten Album „Let Go“ von 2002 ist Avril Lavigne Aufprallfläche für Kritik. War beim Debüt noch ihr rotznäsiges Punk-Image um den „Sk8er Boi“, das so gar nicht dem gewollten Bild heranwachsender Mädchen entsprach, der Aufreger, so wurde ihr bei den Folgealben „Under My Skin“, „The Best Damn Thing“ und „Goodbye Lullaby“ vorgeworfen, eben dieses Image nicht mehr genug zu pflegen. Sie sei zu poppig, mädchen-, ja, fast divenhaft in ihrer Musik geworden. Avril Lavigne und die Liebhaber ihrer Musik scheint das wenig gestört zu haben, denn die Nachfolger des Debütalbums belegten zu zwei Dritteln Platz 1 der deutschen Albumcharts.

Melange aus Punkgöre und Diva

Nun steht das fünfte Album der Kanadierin in den Startlöchern, das zugegebenermaßen die beste Melange einer Punkgöre und Diva ist, die jemals die Bühne der Plattenindustrie betreten hat. Schon das Cover des selbstbetitelten „Avril Lavigne“ lässt diese Mischung vermuten: eine klassisch zurechtgemachte junge Frau – aber die Augen kohlrabenschwarz geschminkt. In diesem Fall hält der Inhalt, was die Verpackung verspricht.

Die rotzfreche Avril Lavigne ist alles andere als Geschichte. Das beweisen die vorab ausgekoppelten Singles „Here’s To Never Growing Up“ und „Rock N Roll“, die sich im Stil der alten Avril Lavigne präsentieren („I don’t care about my makeup / I like it better with my jeans all ripped up“), nur eben erwachsener, aber mit der gleichen Unangepasstheit wie zu „Let Go“-Zeiten. Die 29-Jährige ist vielleicht heute sogar noch rebellischer als damals: Für einen Teenie ist es doch viel leichter, das Erwachsenwerden zu verteufeln. Die echten Rebellen sind die Erwachsenen, die immer Rock’n’Roller bleiben.

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Über Kathrin Tschorn

Kathrin Tschorn | Freiberufliche Musikredakteurin und Lektorin, beheimatet in Berlin. Stets Musik aus den Bereichen Pop, Rock, Indie, Jazz sowie allem dazwischen auf den Ohren und eine Tastatur unter den Fingern.

Eine Antwort auf Außen hui, innen hui – Der Drahtseilakt „Avril Lavigne“

  1. Lenja sagt:

    Meine Meinung! Fantastisches Album, fantastische Sängerin! :)

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