Nicht nur bei Garrett, Paganini oder an Halloween

Der Teufel in der Musik

An Halloween liegt es für ein Musikmagazin nahe, sich einmal mit der Rolle des Teufels in der Musik zu beschäftigen, zumal heute auch der Film „Der Teufelsgeiger“ mit David Garrett in die deutschen Kinos kommt. Damit wäre schon einmal ein wichtiger Protagonist der teuflischen Seite der Musik genannt. Aber der Höllenfürst hatte seine Finger natürlich schon viel früher im musikalischen Spiel.

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Der Sturz des Satan, Illustration von Gustav Doré zu John Miltons „Paradise Lost“, 1866 (Quelle: Wikimedia Commons)

Der Sturz des Satan, Illustration von Gustav Doré zu John Miltons „Paradise Lost“, 1866 (Quelle: Wikimedia Commons)

Im Mittelalter konnte der Teufel in der allgemeinen Vorstellung der Menschen allerdings noch nicht singen. Sein Bereich waren heftige Tänze, die auch wegen der heidnischen Konnotation abgelehnt wurden. Die Musik dagegen hatte die Funktion, Gott zu preisen. Trotzdem betrachtete man die Spielleute, die ja auch zum Tanzen anregten, als Vertreter des Teufels auf Erden und grenzte sie gesellschaftlich aus.

Einflüsse der Tradition der Spielleute finden sich auch im Vermarktungskonzept Paganinis, vor allem in dem zirzensischen und artistischen Moment, das seinen Auftritten zweifellos anhaftete. Seine schier unglaublichen technischen Fähigkeiten führten bald zu der Annahme, dass er zur Erlangung dieser Fähigkeiten dem Teufel seine Seele verkauft habe. Paganini selbst wirkte diesem Eindruck nicht entgegen, sondern schürte ihn sogar noch, indem er stets in schwarzer Kleidung auftrat und in einer abgedunkelten Kutsche reiste.

Paganini war indes nicht der erste Geiger, der mit der Hölle in Verbindung gebracht wurde. Giuseppe Tartini (1692–1770) etwa behauptete, der Gottseibeiuns sei im Traum sein Diener gewesen und habe ihm etwas auf der Violine vorgespielt. Aus dem nur unzulänglich geglückten Versuch, dieses aus der Erinnerung aufzuschreiben, sei dann die „Teufelstrillersonate“ entstanden, die dennoch sein bestes Werk geworden sei.

Seither ist der Teufelspakt ein beliebter Topos in der Musik. Auch der legendäre Bluesmusiker Robert Johnson, das große Vorbild der frühen Rolling Stones, soll ihn eingegangen sein. Der 1911 in Hazlehurst, Mississippi geborene Musiker wurde zunächst wegen seines mäßigen Gitarrenspiels verspottet. 1931 lernte er auf einer Reise den exzellenten Gitarristen Ike Zinnermann kennen, von dem er viel lernte. Die darauf zurückzuführende erstaunliche Entwicklung beförderte Gerüchte, dass auch hier der Teufel seine Hand im Spiel hatte. Wie einst Paganini schürte auch Johnson diese Gerüchte und besang sie sogar in seinem „Cross Road Blues“. Heute steht in Clarksdale, Mississippi ein Denkmal an jener Kreuzung, an der Johnson seine Seele verkauft haben soll.

Viele Musiker haben seitdem mit dem teuflischen Image gespielt. Jimmy Page, der Gitarrist von Led Zeppelin, kultivierte seine ausgeprägte Vorliebe für den englischen Schwazmagier Aleister Crowley, dessen ehemaliges Anwesen er über Jahrzehnte bewohnte. Led Zeppelin veröffentlichte eine LP in Form einer nachgestellten schwarzen Messe und natürlich wurde auch hier von einem möglichen Teufelspakt gemunkelt. Auch Black Sabbath soll mit dem Namenlosen in Verbindung gestanden haben und schon der Bandname weist in diese Richtung. Überhaupt scheint der Teufel sein derzeitiges musikalisches Zuhause im Black Metal gefunden zu haben.

Es gibt aber auch ein Intervall, mit dem er traditionell assoziiert wird: den Tritonus, der drei Ganztöne umfasst und auch als „diabolus in musica“ bekannt ist. Den schönsten und wohlklingendsten Kommentar zu diesem Thema lieferte 2010 die britische Band Chumbawamba mit ihrem Song „The Devil’s Interval“.

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