Verloren in Metropolis

Sepultura – “The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart”

Ihr Ruf eilt den brasilianischen Kult-Thrashern voraus. Mit ihren Meilensteinen “Chaos A.D.” , “Beneath The Remains” und “Arise”, sowie ihrem Langzeit-Nackenbrecher ‘Roots Bloody Roots’ setzten sich Sepultura selbst ein Denkmal – und das weit über die Grenzen des Metals hinaus. Doch nach dem Ausstieg von Front-Schreihals Max Cavalera machte sich Ernüchterung breit. Obwohl Ersatz-Hüne Derrick Green seinem Vorgänger in nichts nachsteht, versanken die Brasilianer zusehends im Sumpf der Mittelmäßigkeit. Die 2011er Platte “Kairos” konnte endlich wieder Boden gut machen, doch leider entpuppt sich ihr neues Monster “The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart” als weiterer Rückschritt.

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Sepultura The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart Cover Artrwork

Sepultura und ihr neues Werk: “The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart”
(Quelle: Nuclear Blast)

Unter dem Mördertitel “The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart” haben die Thrasher aus Belo Horizonte nun ihr neuestes Werk veröffentlicht. Inspiriert von Fritz Lang’s Stummfilmklassiker “Metropolis” verfolgt die Scheibe ein Thema, ist jedoch kein Konzept-Album im eigentlichen Sinne, sondern Ausdruck der derzeitigen, globalen Situation der Menschheit, die sich für Geld und Ruhm zu Robotern degradieren lässt.

In Tönen ein entfesseltes Chaos an unbändiger Wucht und brachialem Gepoltere.  In knapp 50 Minuten Spielzeit krawallen sich Sepultura gnadenlos durch zehn Songs. Doch das Dauerfeuer an messerscharfen Riffs und erbarmungslosen Drumming entpuppt sich schnell als Frustabbau ohne Durschlagkraft, von dem am Ende außer kurzlebiges Rauschen nicht viel bleibt. Statt die Welt endlich wieder in Schutt und Asche zu zerlegen, fehlt den Songs der letzte, infernale Charakter.

Man könnte Sepultura zwar nicht vorwerfen, ihnen würde an Einfallsreichtum mangeln – Songs wie ‘Manipulation Of Tragedy’, ‘The Age Of The Atheist’ oder das fulminante Düsterstück ‘Grief’, bei dem Green deutlich mehr zeigt als nur fieses Gebrülle, überzeugen mit guten Einfällen und interessanten Grooves auf ganzer Linie. Nur leider reichen heutzutage eine handvoll guter Stücke nicht mehr aus, um eine wirklich überzeugende Platte zu liefern. Vor allem nicht, wenn diese Band auf den ruhmreichen Namen Sepultura hört.

Eines scheint klar, die Brasilianer tragen schwer an ihrer Vergangenheit – aber wohin verschwand nur die einstige Kreativität, der markante Geist von Sepultura?

“The Mediator Between Head And Hands Must Be The Heart”-Tracklist:

1. Trauma Of War
2. The Vatican
3. Impending Doom
4. Manipulation Of Tragedy
5. Tsunami
6. The Bliss Of Ignorants
7. Grief
8. The Age Of The Atheist
9. Obsessed
10. Da Lama Ao Caos (Chico Science & Nação Zumbi Cover)

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Über Agnes Berndanner

Agnes Berndanner | Freie Musikjournalistin. Geboren in Weißenburg i. Bay., derzeit beheimatet in Mannheim. Studium der Theater-, Musiktheater- und Literaturwissenschaft an der Universität Bayreuth. Zu jeder Situation den passenden Soundtrack, doch zu Hause fühlt sie sich in den musikalischen Extremen.

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