Der „Psychedelic Art Pop“ von Django Django: Musik aus einem Paralleluniversum

Simon&Garfunkel meets Beck meets Depeche Mode. Das klingt skurril? Gut. Denn die Musik von „Django Django“ ist skurril – und einzigartig!

„Django Django“, eine 2009 in London gegründete britische Band, klingen anders als alles, was man vorher gehört hat. Sie verschweißen hypermelodiöse Folkgitarrenklänge mit einem Synthie-Pop der tiefsten 80er Jahre und einem meditativ-prophetischen Gesang, der an die „Mamas&Papas“ erinnert und unter die Haut geht. Das Ergebnis dieser Melange ist das Album „Django Django“, das vor gut einem Jahr veröffentlicht und vom deutschen Musikexpress zum „Album des Jahres 2012“ ausgerufen wurde.

Administriere bereits ab €0,- Deine Sprachschule!

Django Django.

Django Django in concert. Bild: Michael Gallacher

Der von der Kritik (wenn beachtet) gefeierte Erstling der Band um David Maclean (Schlagzeug, Produktion), Vincent Neff (Gesang, Gitarre), Jimmy Dixon (Bass) und Tommy Grace (Synthesizer) bietet einen völlig unorthodoxen Stil- und Genremix, der trotz seiner Diversität ein verblüffend stimmiges Gesamtwerk zum Vorschein bringt.

Hypnotisierende Stimme, markante Riffs

Erwähnenswert sind viele Dinge. Da wäre zum einen Vincent Neffs Gesang. Gesang? Neff muss in einem anderen Leben ein erleuchteter Yogi gewesen sein. Er singt nicht, er beschwört. Seine Stimme, die oft eher nach zwei Stimmen klingt, hypnotisiert den Hörer auf eine archaische, melodische Art und zieht ihn sofort in seinen Bann. Neff scheint hier bei Hippie-Bands wie „The Mamas&The Papas“ in die Lehre gegangen zu sein, oder bei „San Francisco“-Sänger Scott MacKenzie.

Neffs Gitarrenspiel ist ebenso erwähnenswert. Es ist minimalistisch, ebenso melodiös wie sein Gesang und beschränkt sich meist auf ein paar locker gezupfte Akkustik-Akkorde, die mit den von Tommy Grace eingeworfenen Elektro-Sounds eine elegische Harmonie ergeben.

Songs, die vor Originalität funkeln

Die Songs auf „Django Django“ sind erfrischend kurz und schweifen selten aus. Nach dem kurzen Instrumental-Intro wird der Hörer von „Hail Bop“ in Beschlag genommen, einem Stück, dessen wildes, anarchisches Trommeln so klingt, als würde ein ganzer Indianerstamm um einen hilflosen, am Marterpfahl festgebundenen Gringo tanzen. Sofort haben „Django Django“ den Hörer auf eine seltsame Parallelebene ihrer Psyche gezogen und lassen ihn nicht mehr los:

„Spins the phrases together ’til something starts to make sense
Talk of the future ignoring the present tense
Start shining the night sky you light up like a solar flair
Won’t just burn up on contact as we enter the atmosphere“

Weiter geht es mit „Default“, dem einzigen Track des Albums, der als das Produkt einer Rockband durchgehen könnte. Und was für ein Produkt! Neff hat hier ein Jahrhundert-Riff komponiert, das Evergreens wie „Smoke on the water“ oder „7 Nation Army“ das Wasser reicht und mich wundern lässt, warum die großen Radiostationen nicht schon längst darauf aufmerksam geworden sind (FluxFM ist hier mal wieder die löbliche Ausnahme).

In „Firewater“ klingt die Band wie Beck oder Blur am Lagerfeuer, wieder angenehm melodiös und unaufdringlich. Mit „Waveforms“ geht es weiter:

„Waveforms, reach through my mind
And take me back there tonight“

„Waveforms“ klingt dissonant und futuristisch, wie ein auf Band aufgenommener Versuch, ein Raumschiff aus den herumliegenden Teilen eines Schrottplatzes zusammenzubauen.

„Zumm Zumm“ klingt in meinen Ohren wie das Intro eines Super-Nintendo-Spiels und entwickelt sich zu einer minimalistischen Elektro-Orgie.

In „Hand of Man“ klingt Neff wieder wie ein geschlagener Hund, der ein gefühlvolles Klagelied anstimmt. Dabei erinnert er ein bißchen an das legendäre „Alice in Chains“-Duo Staley/Cantrell. „Hand of Man“ ist für mich das Highlight einer an Höhepunkten bestimmt nicht armen Platte, ein minimalistischer Folksong der herrliche, mythische Melodien hervorbringt.

Immer neue Wendungen

Langsam, so denkt man, hat man das Rezept der Band durchschaut. Dann aber biegt „Django Django“ nochmal ab: „Wor“ hat wiederum etwas von Rockabilly oder CCR, geht forsch voran und könnte auch von einer Southern-Rock-Kapelle in Kansas oder Louisiana gespielt werden, wäre da nicht der fast religiöse Hall, der an die Erhabenheit einer Kathedrale erinnert. „Storm“ ist ein verstörender, prophetischer Song. In „Life’s a Beach“ fühlt man sich an einen südkalifornischen Strand im Zeitalter tiefsten Hippietums versetzt, während das Instrumental „Skies over Cairo“ eine weitere Facette der vielschichtigen Band offenlegt und dunkle Synthie-Sounds mit Urvolk-Trommeln, arabischen Halbton-Exkursionen und Schlangenbeschwörer-Flöten mischt.

„Silver Rays“ schließt das manisch-kreative Album ab und lässt den Hörer mit offenen Augen und heruntergeklapptem Unterkiefer stehen und nach mehr verlangen.

“Django Django” sind im Moment auf Nordamerika-Tournee. Es ist höchste Zeit, dass sie auch ihre wachsende Fangemeinde auf dem Kontinent live ins Staunen versetzen.

 

PS.: Auch bei Facebook? Dann werde Fan von amusio!


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>