Leichen, Lecter. lecker

Hannibal – Serie: Dinieren mit dem Dämon

Wenn ein schon legendärere Spielfilm zur Serie aufgeblasen, aufgekocht oder was immer wird, kann man mit Recht meist Böses ahnen. Allerdings faszinierte die Figur des Psychiaters und “feinschmäckelnde” Serienkillers schon Hollywoods mächtige Produzenten und ihre Anlageberater so sehr, dass dem erfolgreichen Erstling “Blutmond”, und  dem Welterfolg “Das Schweigen der Lämmer” gleich eine Fortsetzung und ein Prequel folgten. Soweit, so normal, und man konnte also für die neue Serie “Hannibal” begründet  das Schlimmste befürchten. Doch weit gefehlt. Ausgestattet mit einer suggestiven Musik  und einer ansprechenden Ästhetik entfaltet die Serie, obwohl man  eigentlich immer weiß, was als nächstes Kommen wird, eine eigenartige Spannung

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Mads Mikkelsen als Hannibal Lectter in Aktion (©cologneconf.)

Mads Mikkelsen als Hannibal Lecter in Aktion
(© cologneconf.)

Sie  zwingt einen zielsicher, im Fernsehstuhl sitzen zu bleiben und gelegentlich sogar die Hände in irgendetwas (Katzenfell, Haar des Freundes. Kuscheldecke etc. ) zu vergraben. Natürlich hat so eine Serie auch Vorteile. Es kann ausführlich auf die Vorgeschichte eingegangen werden: das geschieht hier allerdings nur in geringem Ausmaß. Erst im Laufe der Folgen wird die Verfassung des Personals immer sichtbarer und begründet. Das Spektrum der interessanten und ausbalancierten Figuren neben den diversen Opfern und Polizisten plus Gerichtsmedizinern als Stichwortgeber baut sich folgendermaßen  auf: es gibt ein fatales Dreieck -  da ist Will Graham, ein Profiler, der mit maximaler Identifikation mit dem jeweils gesuchten Killer arbeitet und daran zunehmend verzweifelt beziehungsweise glaubt, den Verstand zu verlieren. Unglücklicherweise ist er auch nicht sehr glücklich in der Wahl seiner Freunde: sein Vorgesetzter beim FBI,  Agent Crawford

Laurence Fishburne spielt Jack Crawford (© Chad J. McNeeley)

Laurence Fishburne spielt Jack Crawford (© Chad J. McNeeley)

(überwältigend gespielt von Laurence Fishburne, der wohl seit diverser CSI Folgen an derlei Gefallen gefunden hat) ist bereit, für das Ergreifen von Serienkillern fast alles zu riskieren – Wills geistige Gesundheit eingeschlossen. Allerdings hat er mit einer todgeweihten Frau jede Menge häuslicher Probleme und ist unglücklicherweise ein Feinschmecker, der Dr.Lecters Einladungen immer gerne annimmt. Nun kommen wir zu der eigentlich interessantesten Figur, Hannibal Lecter, Psychiater, Chirurg, Gourmet und im Nebenberuf Serienkiller, der die Polizei immer wieder seine eigenen Opfer finden und manchmal auch im Zuge eines exquisiten Dinners verspeisen hilft. Und hier liegt für mich ein Problem der Serie: Lecter sieht tatsächlich aus wie ein Serienkiller, er tut ausgiebig das, was man in schlechten Romanen “mit Blicken durchbohren” nennt, und der Einblendungen der Morde, vor dem Servieren des Dinners, hätte es gar nicht bedurft, sein nervöses Zucken hätte ihn verraten. Der Grad der Differenzierung, den Anthony

Hugh Dancy als Will Graham (© Alotofmillion)

Hugh Dancy als Will Graham (© Alotofmillion)

Hopkins erreichte, der es schaffte, dass man den Serienkiller dem Gefängnisdirektor bei weitem vorzog, ist ihm nicht gegeben. Viel spannender sind da die Figuren, die in diesen Sog hineingezogen werden. Wie zum Beispiel  die Tochter eines Serienkillers, die gerade noch vor ihrem Vater gerettet wird. Aber ist sie tatsächlich nur Opfer? Ihre Rolle bei den Morden bleibt hollywood-untypisch  sagenhaft offen und deswegen unglaublich spannend. Und ja, ich bemerke es gerade wieder an mir. Man will dann doch ganz banal wissen, wie es weitergeht, und ob Will und seine Ersatzfreunde, eine Schar von Streunerhunden, überleben. Aber ich habe Lecters Lippen schon zucken gesehen. Die Chancen stehen also schlecht.

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