25 Jahre Synthie-Pop in Reinkultur

München: De/Vision feiert sich selbst

Ganz anders ist es Steffen Keth geworden. Der Sänger von De/Vision erfuhr sehr viel Liebe an diesem Abend in München. Auch und vor allem vom eigenen Geschlecht: Ein männlicher Zuschauer in der ersten Reihe griff mit seinen beiden Armen um die Unterschenkel des Musikers – natürlich nur für Foto-Zwecke. Zugegebenermaßen sind beim Sänger auch alle Körperteile fotogen. Seine schiere Präsenz reicht allein schon aus, um die gut gefüllte Backstage-Halle am 2. November zum Kochen zu bringen. Mit einem gelungenen Querschnitt durch das 25-jährige Repertoire befriedigte Steffen gleichermaßen neue und alte Fans.

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25 Jahre und kein bisschen leise: Steffen Keth (li.) und Thomas Adam von De/Vision (Foto: Daniel Dreßler)

25 Jahre und kein bisschen leise: Steffen Keth (li.) und Thomas Adam von De/Vision (Foto: Daniel Dreßler)

Nicht unerwähnt lassen sollte man dabei die Vorgruppe Tenek, die mit ihrem sympathischen, vielleicht etwas zu statischen Auftritt dem Publikum gleich ein gutes Gefühl gab. Ihr gitarrenumflitterter Electro und der saubere, zweistimmige Gesang hat die Besucher überzeugt. Das Feld war bestellt, und De/Vision sollten reiche Ernte machen.

Oftmals wird Synthie-Pop-Bands nachgesagt, dass ihre Live-Qualitäten mäßig seien.Vieles käme vom Band und die Musiker seien an ihre Instrumente/Laptops gefesselt. Das mag zwar oftmals zutreffen, bei De/Vision jedoch wurden diese Klippen lässig umschifft.

So gehört zum Line-Up ein Live-Schlagzeuger, der zwar sichtlich im Clinch mit den unbarmherzig spielenden Synthesizern stand, aber dementsprechend auch den nötigen Drive brachte – vor allem bei den etwas ruhigeren Songs an diesem Abend. Das kann eben kein Rhythmusgerät der Welt.

Es ist aber auch die 25-jährige Band- und Bühnenerfahrung, von der Sänger Steffen und Keyboarder Thomas Adam profitiert. Als charismatischer Frontmann hat er die Fans sofort im Griff. Er braucht nur mit dem Kopf zu nicken oder den Zeigefinger im Takt bewegen und schon klatscht die ganze Halle mit. Immer wieder verliert er sich in seinen Songs, schließt die Augen und genießt den Moment. Das kommt an. Auch wenn er innehält und Passagen seiner Songs vom Publikum singen ließ – wie ein großer Rockstar eben. Da fühlt sich selbst das Backstage wie ein Stadion an.

Beliebt und effektvoll: De/Visions setzt LED-Wände ein (Foto: Daniel Dreßler)

Beliebt und effektvoll: De/Vision setzt LED-Wände ein (Foto: Daniel Dreßler)

Nicht zuletzt unterstützen drei große LED-Wände die Songs, die wie bei “Rage” als Mitsing-Hilfe den gesamten Text projizieren, oder perfekt abgestimmt dem Stück “Binary Soldier” eine zusätzliche Dimension verleihen.

Wie es sich für ein Best-Of-Abend gehört, sind alle Gassenhauer dabei: “Try To Forget”, “Regret”, “Blue Moon”, “Kamikaze”, “Endlose Träume”… endlos ist das Konzert aber nicht. Nach der zweiten Zugabe ging De/Vision sichtlich ausgepowert von der Bühne. Ginge es nach den Fans, hätten sie noch die ganze Nacht durch weitermachen können.

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Über Daniel Dreßler

Freier Musikjournalist und Radiomoderator aus München. Befürworter der alternativen im Allgemeinen und der elektronischen Klangkunst im Besonderen. Der Strom macht die Musik!

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