Eine einzige wilde Party

Konzertbericht: Crystal Fighters in der Großen Freiheit 36, Hamburg

Sie werden verehrt von den sonst so gefühlsscheuen Hamburgern: Die englische Electro-Folklore-Band Crystal Fighters war am 03. November 2013 nicht zum ersten Mal zu Gast in der Elbmetropole. Fünfzig Prozent des überwiegend jungen Szene-Publikums scheint sich auf einem der Dockville-Auftritte in die visionären Klangkünstler verliebt zu haben. Zunächst heißt es aber erst mal: Abwarten.
Denn vorerst stehen zwei Vorbands auf dem Programm. Nummer eins, Kirrin Island,  passt mit seinem leicht zerstörerisch wirkenden Electro gar nicht richtig zur eigentlichen Musik des Abends, sorgt aber dennoch für ordentlich Stimmung.

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Live verwandelten die Crystal Fighters die Große Freiheit 36 in eine Tanzhölle. Fotocredit: Neil Krug.

Live verwandelten die Crystal Fighters die Große Freiheit 36 in eine Tanzhölle.
Fotocredit: Neil Krug.

Wir sollen doch mal bei StudiVZ nach seiner Musik suchen, scherzt der junge Künstler, der zur allgemeinen Erheiterung auch eine Banane für sein Publikum dabei hatte.

Die zweite Vorband Fiction passt musikalisch mit ihrem schnellen Synthie-Rock und dem grantelnden Gesang des Frontmans zwar schon besser ins Konzept, jedoch hat sie wenige Songs in Repertoire, die die Menge wirklich in Bewegung bringen können.

Aber das macht auch nichts, denn als eine halbe Stunde nach Ende der zweiten Vorband die Crystal Fighters ins Rampenlicht treten, verwandelt sich die Große Freiheit 36 innerhalb von Sekunden in einen fluoreszieren Lichter-Tanztempel. Was jetzt zu hören ist, ist charakteristisch für die Crystal Fighters: Der Mix aus Baskischer Folklore, Latin-Rock und flippigen Synthies erschafft Klangwelten, die man von anderen Künstlern nicht kennt. Das erklärt auch, warum die Große Freiheit 36 nahezu ausverkauft und dementsprechend rappelvoll ist.

Dabei stammen die Mitglieder des sechsköpfigen Gespanns gar nicht aus dem Baskenland, sondern sind in London beheimatet. Der Großvater des mittlerweile nicht mehr dazugehörigen Mitglieds Laure Stockley stammte jedoch von dort, er schrieb an einer Oper namens „Crystal Fighters“, die den Kreativköpfen dann auch die Inspiration für den Namen lieferte.

Das riesige, schwarze Schild, das nur den Namen der Band trägt, schmückt wie bei jedem Konzert der Crystal Fighters den Bühnenhintergrund. Ansonsten wurde bei der Bühnenausstattung auf Zurückhaltung gesetzt, was die schicken, mit Glitzer-Applikationen verzierten Outfits der Mitglieder und die Basken-Instrumente aber wieder wett machen. Die Mühe mit der auffälligen Verkleidung hat sich Gitarrist und Sänger Graham Dickson hingegen nicht gemacht: In alter Rockstar-Manier fegt er oben ohne übers Parkett.

Los geht es mit „Solar System“ und für den Rest des Abends schafft es bei der Setlist, die das Beste aus beiden Alben vereint, niemand mehr, auch nur eine Minute lang still zu stehen. Der Gesang geht zwar oftmals etwas im Sound der Instrumente unter, doch das ist halb so wild, da die Fans die Lyrics lautstark und erstaunlich textsicher mitgrölen. Was für eine Freude im Publikum, als die ersten Töne von „You And I“ erklingen! Zu jedem Refrain schellen die Hände der Zuschauer wie auf Befehl in die Höhe. Nach dem Lied richtet die Band das erste Mal das Wort ans Publikum. Schwer beeindruckt von der Masse heißt es: „If this isn’t family, I don’t know what it is.“ Recht haben sie, denn die Anwesenden feiern jeden Song ausgelassen. So lässt sich dann auch bei „Plage” und „Are We One” gut gelauntes Gehopse beobachten.

Welche Party ist eigentlich wilder? Die auf oder vor der Bühne? Schwer zu sagen.
Nach „At Home“ verlassen die Londoner die Bühne, doch das Gejubel und Geklatsche im Publikum will nicht aufhören. In der Zugabe gibt es eine kurze Akustik-Performance und dann – wie sollte es anders sein, es könnte ja schließlich sein, dass einer der Anwesenden noch nicht bis auf die Haut durchgeschwitzt ist, den Kracher „I Love London“. Nach „Wave“ und „Xtatic Truth“ schließlich entlassen die Crystal Fighters ein erschöpftes, aber seliges Publikum.

Die Crystal Fighters setzen ihre Tour derweil fort, um noch mehr Fans mit ihrem atemberaubenden Live-Set zu beglücken.

Setlist:
1. Solar System
2. Follow
3. L.A. Calling
4. Champion Sound
5. I Do This Everyday
6. Separator
7. Love Is All I Got
8. You And I
9. Plage
10. Are We One
11. Love Natural
12. In The Summer
13. At Home

Zugabe:
I Love London
Wave
Xtatic Truth

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Über Anne-Kathrin Fischer

Musikredakteurin und Konzertgängerin aus dem schönsten Hamburg. Kein Event, kein Festival, kein Regenbogen ohne mich!

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