Kniefall vor dem Regime

Dresdner Kreuzchor nach China-Tour in der Kritik

Der Dresdner Kreuzchor kann auf eine lange und traditionsreiche Geschichte zurückblicken, er zählt zu einem der ältesten Knabenchöre Europas. Jetzt nach seiner erfolgreichen China-Tournee bekommt die turbulente Historie des Chores ein neues Kapitel dazu. Die Verantwortlichen ernten gehörig Kritik für ihre Programmstreichung während der Tour.

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Die Dresdner zierten sogar schon eine Briefmarke. Foto: BP Briefmarke

Die Dresdner zierten sogar schon eine Briefmarke. Foto: BP Briefmarke

Auf Anraten des deutschen Veranstalters und den Behörden vor Ort wurde das Programm “den chinesischen Ansprüchen angepasst”. So wurde das Freiheitslied “Die Gedanken sind frei” aus dem Programm des Chores genommen. Der deutsche Musikrat zeigt sich nicht begeistert und kritisiert Chor-Leiter Peter Kopp auf das Schärfste.
“Die Reaktion von Chorleiter Peter Kopp ist ein Kniefall vor der autoritären Regierung der Volksrepublik China. Musik ist so tief in unserer Geschichte, den Traditionen und unserer heutigen Gesellschaft verwurzelt, dass sie immer auch politische Botschaften mittransportiert. Es ist fatal zu versuchen, im vorauseilenden Gehorsam diese gesellschaftspolitische Dimension zu leugnen und die Musik damit aus ihrem politischen Kontext zu reißen. Gerade ein Leuchtturm kultureller Vielfalt wie der Dresdner Kreuzchor ist neben seiner künstlerischen Exzellenz auch immer Botschafter des in Deutschland gelebten Wertesystems. Es ist schockierend, wenn der künstlerische Erfolg einer Tournee über das Grundverständnis unserer freiheitlichdemokratischen Werte gestellt wird. Freiheit darf nicht verhandelbar sein – auch und gerade in der Kultur,” so Christian Höppner, Generalsekretär des Deutschen Musikrates. Die Leitung des Kreuzchores verteidigt ihre Entscheidung damit, dass das Lied keine Bedeutung für den Klangkörper hätte.
Chorleiter Kopp dazu: “Es ist überdies realitätsfern zu glauben, mit Kindern und Jugendlichen das zu erreichen, was auf politischer Ebene bisher nicht gelang.” Das Volkslied “Die Gedanken sind frei” steht nicht nur in der westlichen Welt für Freiheit. Zuletzt stimmten es chinesische Aktivisten bei der Nobelpreisverleihung in Abwesenheit für Schriftsteller Liu Xiaobo an. Im Text heißt es: “Und sperrt man mich ein – im finsteren Kerker. Das alles sind rein vergebliche Werke. Denn meine Gedanken – zerreißen die Schranken und Mauern entzwei: Die Gedanken sind frei.” Ein echtes Freiheitslied also auch für eingekerkerte Schriftsteller in China.

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Über Guido Kaiser

Guido Kaiser | Studium: Germanistik und Medienwissenschaften - Beruf: Redakteur für verschiedene TV-, Print- und Online Medien - Tätigkeit: Presse-, Medien- und Marketingberatung - Hobbys: Musik verschiedenster Stile, Sport - besonders Fußball, Hunde

Eine Antwort auf Dresdner Kreuzchor nach China-Tour in der Kritik

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