Meilensteine: The Velvet Underground & Nico “Same” (Banana-Album), Teil 1

Ich habe The Velvet Underground das erste Mal während einer Filmvorführung in einem Jugendklub Ende der 70er Jahre in dem verschnarchten Hamburger Stadtteil gehört, in dem ich aufgewachsen bin. Der Film hiess „Ich bin ein Elefant Madame“ und war von dem damals als Theaterregisseur ziemlich angesagten Peter Zadek. Als Filmregisseur hat er allerdings nicht viel getaugt, war doch der Film nichts weiter als eine intellektuell angehauchte Ansammlung von debilsten Sketchen auf Paukerfilm-Niveau, aber die Titelmusik hat mich einfach weggeblasen (ich kriege heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke)!

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The Velvet Underground & Nico Foto: Christian Siebje

The Velvet Underground & Nico
Foto: Christian Siebje

Wie bei solchen Filmclub-Veranstaltungen üblich, war der Sound extrem mies, dafür laut und scheppernd, aber das war in diesem Fall genau richtig. Kaum hatte ich mich neben das Hippie-Mädchen gesetzt, dass der Hauptgrund dafür war, den Film anzuschauen, hämmerten die Stakkato-Akkorde von „Waiting For My Man“ dröhnend laut aus den Boxen und ich war sofort wie paralysiert. Was zur Hölle IST DAS? Was PASSIERT HIER? Solche Musik hatte ich noch nie zuvor gehört, trotz Punk und New Wave. Das hier war nicht neu, das klang definitiv nach den 60ern, aber total anders und aufregend. Wieso kannte ich das bisher nicht? Den quälend langen Rest des Filmes verbrachte ich in der Hoffnung, mehr von diesem Sound zu Hören, vergebens.

Auch mit meiner Begleiterin hatte ich es mir verscherzt, weil ich weder auf heimliches Gefummel noch Rumgeknutsche im Dunklen Lust hatte. Mich hatte nur eine Frage interessiert: WELCHE BAND SPIELT SOLCHE MUSIK? Angespannt wartete ich auf den Abspann, der aber aus irgendeinem Grund nicht mehr gezeigt wurde. Unvermittelt gingen die Lichter an und ich saß da, verzweifelt und wütend. Gezwungenermaßen nervte ich die anderen Anwesenden in der nach Filmende einsetzenden Diskussionsrunde – solche theoretischen Rechtfertigungen für so etwas banales wie Filmvergnügen waren damals üblich – so lange mit der Frage, ob denn wirklich keiner wüsste, welche Band das eben war („Nei-en!“), bis man mir Redeverbot erteilte.

Da saß ich nun mit der „allerherrlichsten Musik“ (Alex DeLarge) im Schädel und hatte keinen blassen Schimmer, wie ich an die ran kommen sollte.

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Über Christian Siebje

Christian Siebje | Jahrgang 64, aufgewachsen in Hamburg. Lebt und arbeitet als Journalist, Texter, Blogger und Familienvater in Karlsruhe. Musik als Leidenschaft: Bach, Klassik, Electronica, Alternative, Reggae, Soul, Jazz, Pop, Punk & Avantgarde.

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