Dresden: medicanti gastiert am 17. November mit einem Gedenkkonzert in der Kreuzkirche

Verboten, verfemt, verloren? – Musik einer (fast) vergessenen Epoche

medicanti – ein Orchester, das an der medizinischen Fakultät der Dresdner Universität gegründet wurde und inzwischen Musikerinnen und Musiker aller Studienrichtungen und Berufsgruppen vereint – will am 17. November mit dem Konzert Verboten, verfemt, verloren? – Musik einer (fast) vergessenen Epoche an die Reichspogromnacht vor 75 Jahren erinnern. Das Ensemble führt Kompositionen jüdischer Musiker auf, deren Werke zum Teil erst ab dem Ende der 80er Jahre uraufgeführt worden sind bzw. im Konzert erstmalig erklingen werden.

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Ernest Bloch um 1900, Quelle: Wikipedia

Ernest Bloch um 1900, Quelle: Wikipedia

Während Ernest Bloch (1880 – 1959) zu Lebzeiten in den USA unter seinen Anhängern als das vierte “B” nach Bach, Beethoven und Brahms galt und auch heute noch als bedeutender Komponist angesehen wird, ist er in Europa fast in Vergessenheit geraten. Blochs zweites Concerto grosso entstand 1952. Es weist Züge des Neoklassizismus wie auch der Romantik auf. Der schweizerisch-amerikanische Musiker wurde am 24. Juli 1880 geboren, siedelte bereits 1916 in die USA über und starb 1959 in Portland, Oregon.

Alexander von Zemlinsky vertonte 1900 im Andenken an seinen verstorbenen Vater den 83. Psalm für vier Soli, Chor und großes Orchester. Das Werk wurde jedoch erst 1987 in seiner Geburtsstadt Wien uraufgeführt. Im März 1938, nachdem Österreich von Hitler annektiert worden war, bemühte sich der Musiker mit seiner Frau in die USA auszureisen. Am 23. Dezember kamen beide per Schiff in New York an. Am 15. März 1942 starb der Komponist an einer Lungenentzündung. Einige seiner Werke wurden erst Ende des 20. bzw. am Beginn des 21. Jahrhunderts uraufgeführt.

Franz Schreker um 1911, Quelle: Wikipedia

Franz Schreker (23. März 1878 bis 21. März 1934) erfährt inzwischen wieder eine wachsende Beachtung. In den 1920er Jahren galt er nach Richard Wagner als einer der bedeutendsten Opernkomponisten in Deutschland, zeitweise wurden seine Opern sogar mehr aufgeführt als die von Richard Strauss. Während des NS-Regimes wurden seine Kompositionen als “entartet” diffamiert. Nach der Machtergreifung Hitlers wurde Schreker zum Rücktritt von seinem Amt als Direktor der Berliner Musikhochschule gezwungen, die er seit 1920 geleitet hatte. Auch seine Meisterklasse für Komposition an der Preußischen Akademie der Künste musste er aufgeben. Kurz nach seiner Zwangsversetzung in den Ruhestand starb Schreker an einem Herzinfarkt, der einem Schlaganfall folgte.

 

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Über Raphaela Kaltenhäuser

Raphaela Kaltenhäuser | Freie Journalistin Klassische Musikszene Dresden

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