Der Dresdner Kreuzchor und die Debatte um das Programm in China

Minderjährige dürfen nicht für politische Zwecke missbraucht werden

Der Chorleiter des Dresdner Kreuzchores Peter Kopp dementiert den Vorwurf, das Lied Die Gedanken sind frei kurzfristig aus dem Programm genommen zu haben: “Richtig ist, dass das Lied in einer ersten Planung auf dem Programm stand. Beizeiten entfiel dieses zusammen mit drei anderen Liedern, da die Konzerte moderiert werden sollten und zu lang zu werden drohten.” Der Kreuzchor sehe die entsprechende Zeitungsmeldung als Fehlinterpretation, heißt es in einer Pressemitteilung. Auch die Kritik des “vorauseilenden Gehorsams” weist die Leitung des Chores mit Nachdruck zurück:

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Der Dresdner Kreuzchor kann auf eine fast 800-jährige Geschichte zurückblicken. Bild: Deutschen Post AG

Vielmehr hätten auf dem Programm auch andere Lieder gestanden, die den Freiheitsgedanken als Aspekt europäischer Ideale ausdrücken und aufgeführt worden seien. “Von einer Fremd- oder Selbstzensur kann keine Rede sein.”

Außerdem ist die Leitung des Kreuzchores davon überzeugt, “dass eine politische Demonstration mit Minderjährigen nicht zu vertreten ist – aus Verantwortung für die mitreisenden Kruzianer und ihre Eltern. Es ist überdies sehr realitätsfern zu glauben, mit Kindern und Jugendlichen das zu erreichen, was auf politischer Ebene bisher nicht gelang. Vor diesem Hintergrund werden die Formulierungen eines angeblichen ‘Kniefalls vor Peking’ oder gar die damit verbundenen persönlichen Angriffe gegen den Leiter der Tournee und die Kruzianer als unhaltbar und überzogen bewertet.”

Die Dresdner Oberbürgermeisterin Helma Orosz beurteilt die Sachlage ähnlich: „Ich kann auch nach Prüfung des Sachverhaltes nicht erkennen, warum einige Personen jetzt den Kreuzchor und seine Leitung in so massiver Art und Weise angreifen.” Es sei nicht zu erkennen, “dass politischer Druck von Außen oder vorauseilender Gehorsam die Ursache für die Umplanung des Konzertprogramms waren.”

Zur Rolle des Chores äußert sie: „Der Kreuzchor ist ein herausragender Botschafter unserer Stadt und unserer Kultur. In keinem Fall ist ein Knabenchor aber eine Plattform zur Erreichung politischer Ziele, auch wenn sie noch so ehrenhaft sein mögen. Ich würde es vielmehr für sehr schwierig halten, wenn eine solche Reise zur politischen Demonstration oder kulturellen Belehrung der Gastgeber missbraucht würde. Die Chorleitung ist ihrer Verantwortung gegenüber den minderjährigen Chormitgliedern und deren Eltern voll gerecht geworden.”

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Über Raphaela Kaltenhäuser

Raphaela Kaltenhäuser | Freie Journalistin Klassische Musikszene Dresden

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